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Düsseldorf: Fußboden erinnert an Immendorff

Düsseldorf : Fußboden erinnert an Immendorff

Raucherecke, Kissenschlacht und ein Fußboden zur Erinnerung an Jörg Immendorff: Die Studenten der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf zeigen von Mittwoch an ihre Arbeiten beim traditionellen „Akademie-Rundgang”.

Bis zu 30.000 Kunstfans werden zu der jährlichen Leistungsschau zum Semesterabschluss erwartet. Die Selbstdarstellung der renommierten Kunsthochschule, an der so namhafte Künstler wie Markus Lüpertz, Rosemarie Trockel, Georg Herold oder Albert Oehlen unterrichten, ist bis zum 17. Februar geöffnet.

Mit spielerischen, humorvollen Arbeiten ist der Koreaner Jun-Ho Park dabei. Er nimmt das „Rauchverbot” aufs Korn, indem er es per Klingelknopfdruck aus einem notdürftig verbretterten Verschlag in der Atelierecke qualmen lässt. Für Nichtraucher hält er eine Schnullerinstallation zum beruhigenden Nuckeln parat.

„Battle (Intseni:rung)” heißt eine Performance auf dem glamourösen „Roten Teppich” des Akademieflurs, bei der die Künstlerinnen Hanne Lina Meiners und Ruth Schultz Mann und Frau zum Kampf antreten lassen. Als Munition gibt es mit Filmzitaten bestickte Kissen, die sich ein Schauspielerpaar um die Ohren haut: „Wo warst Du gestern Nacht”, „Nicht weinen, nicht das, Sugar! Kein Kerl ist das wert” oder „Ich seh Dir in die Augen, Kleines”, heißt es da.

Mit einem neuen Fußboden als respektvoller Gemeinschaftsarbeit der Klasse erinnern die Studenten des im vergangenen Jahr gestorbenen Malers Jörg Immendorff an ihren prominenten Lehrer. Ein gemasert gemalter Dielenboden durchzieht als „Hommage” Brett um Brett den Raum - wie ein lebendig gewordenes Motiv aus Immendorffs berühmten Bildern. Ironisierend kritisch steht mitten auf dem neuen Belag die Arbeit von Sebastian Weggler. Der Immendorff-Schüler hat einen Altar gebaut, dessen „Gott” das Fernsehen ist. „Nur einer kommt durch” heißt das dreiflügelige Werk, in dem es um Ruhm und dessen Perversion geht.

Beim Streifzug durch die vier Etagen der Kunstakademie stößt der Besucher auf nicht wenige Belanglosigkeiten wie „Stuhlkreis und Stuhlgang” - ein von den Studenten Albert Oehlens mit plattem Humor gestaltetes Zimmer voller bemalter Schränke und Stühle.

Herausragendes dagegen stammt von der Japanerin Akiko Ozasa, die auf monumentalen Zeichnungen eine blutige Menschwerdung fantasiert: Herumwirbelnde Mädchen im Rock, die an den Haaren gezogen werden, Gliedmaßen und Kopf verlieren. Ebenso eindrucksvoll Florian Meisenberg, der ausrangierte Blumenübertöpfe mit antiken Erotikszenen verziert oder Barbara Hoheisels Tafelbilder aus farbigen Gurtbändern.

„Wenn der Künstler nur etwas sagen wollte, würde er sprechen.” Der wie eine Warnung vor platter Sinnstiftung an eine Wand geschriebene Satz dient eindeutig als Mahnung. Dass Künstler gleichwohl etwas zu sagen haben, stellte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Montagabend zur Eröffnung des Rundganges fest.

Die Politik tue gut daran, wahrzunehmen, was Künstler für wichtig halten, meinte Rüttgers in seiner Rede. Ihre „unglaubliche” Leistung für das kulturelle Leben werde gebraucht. „Wer soll denn sonst vorherahnen, was passieren wird?” fragte der Ministerpräsident. Seine Antwort: Es seien garantiert nicht diejenigen, die glaubten, die Ökonomie allein regiere die Welt.