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Würselen: Furiose Stimmung, grandiose Stimmen

Würselen : Furiose Stimmung, grandiose Stimmen

Schon Stunden vor Konzertbeginn hatten es sich die ersten Gäste mit Wein, Brot und Käse auf den Sitzbänken der Burg Wilhelmstein gemütlich gemacht. Im ausverkauften Haus galt es, schon früh die Plätze mit dem besten Blick auf die Bühne zu sichern.

Doch was auf der Freilichtbühne zu sehen sein würde, wussten die Zuschauer noch nicht, denn auch in diesem Jahr war das Benefizkonzert „Blind Date” der musikalische Auftakt auf der Würselener Burg.

Erich Behrendt, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, freute sich besonders über die vollen Ränge, denn jeder Cent des Eintrittsgeldes kommt der Aktion „Menschen helfen Menschen”, die bedürftige Familien in der Region unterstützt, zugute.

Nach dem „Aufwärmen” mit den Aixotic Sambistas führte Redakteur Robert Esser charmant durch das gut dreistündige Programm.

Den Anfang machten der Lange Mikel und The Unforgettable Forgetaboutits - kurz die TUF-Band. Mit einer gelungenen Mischung aus Reggae und Comedy überzeugte die Gruppe, die in Insiderkreisen längst Kultstatus errungen hat, das Publikum schnell. Bekannte Melodien, beispielsweise aus dem Buena Vista Social Club mit neuen, teilweise frivolen, aber immer amüsanten Texten, sind das Erfolgskonzept der Band. Eine gewaltige Portion Selbstironie des 1,96 Meter langen Frontmanns Mikel Freialdenhoven leistete ihr Übriges. Nach der amüsanten Reggae-Truppe stand ein spannender Stimmungswechsel an.

Auf musikalisches Entertainment folgten politisch und gesellschaftskritisch ambitionierte Chansons von Barbara Thalheim.

Die wohl bedeutendste deutsche Chansonsängerin stand gemeinsam mit Akkordeonist Jean Pacalet zum ersten Mal im Westzipfel der Republik auf der Bühne. Begleitet von sanften Akkordeon- und Gitarrenklängen singt Thalheim von Sehnsucht und Glück, von Fremdbestimmung und sozialen Problemen. Jedes Stück erzählt eine Geschichte. Besonders „Die Afrikanerin”, ein Stück, das die Weißen aus der Sicht einer Senegalesin charakterisiert, stimmte das Publikum nachdenklich. Für die letzten zwei Lieder kam Manfred Leuchter als Überraschungsgast auf die Bühne, und Thalheim konnte zum ersten Mal „mit zwei Quetschkommodisten” musizieren. Ihr Blind Date in Aachen war überaus erfolgreich, was die Standing Ovations bestätigten.

Das letzte Date des Abends bot ein absolutes Kontrastprogramm zu den Chansons. Die junge niederländische Band Sensual begeisterte mit rassig-temperamentvollen Sambarhythmen und besinnlich-melancholischen - oder wie es neudeutsch heißt - „chilligen” Balladen. Brazil Elektro Jazz nennt sich die Musikrichtung der fünf jungen Musiker - eine Mischung aus Jazz, Samba, Pop und Dance. Die Klänge der Sambatrommeln riefen Bilder der Copacabana hervor, die Klänge des E-Pianos versetzten das Publikum von der altertümlichen Burg in schnieke Großstadt-Lounges. Sängerin Eva Kieboom überzeugte nicht nur mit ihrer fantastischen Singstimme, sondern auch mit feurigen Rapeinlagen.

Als zum großen Finale noch einmal alle Künstler auf die Bühne kamen, hatte es bei den Blind-Date-Besuchern schon längst gefunkt.

Infos im Internet:

http://www.burg-wilhelmstein.com