Aachen: Frühlingserwachen: Haydns „Schöpfung“ beim Aachener Domkonzert

Aachen : Frühlingserwachen: Haydns „Schöpfung“ beim Aachener Domkonzert

Das richtige Werk zum Frühlingserwachen: Joseph Haydns geniale Jubelhymne auf die Schönheit der „Schöpfung“ und das damit verbundene Vertrauen in den Menschen als vernunftbegabtem Menschen zog auch im Aachener Dom die Menschen so magnetisch an wie bereits die Uraufführung des beliebten Oratoriums vor 220 Jahren.

Justus Thorau leitete das diesjährige Domkonzert mit dem Sinfonischen Chor, dem Opernchor und dem Aachener Sinfonieorchester.

Die drei anspruchsvollen Solopartien wurden mit bewährten Kräften des Aachener Opernensembles besetzt. Der filigrane und für ein Oratorium ungewöhnlich fein ausgearbeitete Orchesterpart mit seinen unzähligen lautmalerischen Finessen war bei den Aachener Sinfonikern bestens aufgehoben. Auch die Chöre bewältigten ihren Part mit satter Klangfülle und der nötigen stilistischen Flexibilität, so dass die Chorpassagen trotz der zahlenmäßig üppigen Besetzung erfreulich festlich, frisch und sogar schlank erklangen.

Homogen präsentierte sich das Solistenterzett mit der Sopranistin Katharina Hagopian, dem Tenor Patricio Arroyo sowie dem Bassisten Hrólfur Saemundsson. Gesanglich ließen alle drei keinen Wunsch offen, die unterschiedlichen Stimmungsgehalte der Rezitative ließen sich freilich noch differenzierter deklamieren. Dafür kamen sie mit den teilweise schleppenden Tempi in den Arien mühelos zurecht.

Thorau legte großen Wert auf eine detailgenaue Interpretation, wodurch die kammermusikalischen Delikatessen des Orchesterparts vorzüglich zur Geltung kommen konnten. Allerdings ließen es vor allem die ruhigeren Arien und Duette an einer pointierten Phrasierung vermissen, so dass der Fluss der Musik, verstärkt noch durch die recht breiten Tempi, zeitweise ins Schleppen geriet und etliche Teile des Werks einen etwas betulichen Eindruck hinterließen. Betroffen waren vor allem die ausgedehnten Sopran-Arien und die Gesänge des dritten Teils. Da fehlte es an vielen Ecken an der nötigen Spritzigkeit.

Gleichwohl konnte sich das Publikum an einer insgesamt hochwertigen Interpretation in würdiger Umgebung erfreuen. Viel Applaus.

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