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Aachen: Frischer Wind weht im Ludwig Forum

Aachen : Frischer Wind weht im Ludwig Forum

Frischer Wind ist in das Aachener Ludwig Forum eingezogen.

Dem zwangsläufig wachsenden Aktualitätsmangel der hauseigenen Kollektion - die Ankaufstätigkeit der Sammlung Ludwig wurde Mitte der Neunziger weigehend eingestellt, und einen eigenen Ankaufsetat gibt es nicht - begegnet Forums-Chef Harald Kunde mit der Einladung anderer Sammlerpersönlichkeiten.

Sie stammen aus Antwerpen genauso wie aus Herzogenrath, Köln oder Düsseldorf, heißen Winfried und Yannicke Cooreman, Axel Haubrok, Michael Heins, Thorsten Koch, Schmidt-Drenhaus und Wilhelm Schürmann.

Letzterer - selbst Künstler und Professor für Fotografie an der Fachhochschule Aachen - verfügt über eine Kunstsammlung, die internationales Renommee genießt. Fast lückenlos gibt sie einen Überblick über alle wichtigen Strömungen in der Kunst der 80er und 90er Jahre bis in die Jetztzeit hinein - das Ludwig Forum profitiert davon und präsentiert ab heute bis zum 11. September 2005 „Upside down - Neu eingerichtete Räume der Gegenwart”.

„Upside down” - „das Unterste zuoberst” - bezieht sich dabei auf die künstlerische Aufarbeitung von Fragen nach der eigenen Herkunft, nach Identität und Erfahrung, wobei der Prozess einer solchen Reflexion bisweilen im Inneren ein „Drunter und Drüber ” der Gefühle auslösen kann.

Der Braunschweiger Christof Zwiener erinnert sich an den zentralen Erfahrungsraum seiner frühesten Jugend, das eigene Kinderzimmer, das nur mehr in der Vorstellung existiert und allenfalls fragmentarisch und doch gefühlsmäßig intensiv rekonstruierbar ist.

Zwieners „Erinnerungsbild” steckt die ursprünglichen räumlichen Maße des Zimmers mit einer wüst und chaotisch erscheinenden Konstruktion aus Dachlatten ab - auch als Abbild der kindlichen Aktivitäten in diesem Raum gedacht. Es muss jedenfalls munter „drunter und drüber” zugegangen sein damals im Hause Zwiener...

Ansonsten dominieren amerikanische Positionen auf dieser Seite des Ludwig Forums. Erinnerungsarbeit auf seine Weise leistet auch der Kalifornier Edgar Arceneaux, der in dem neuen „Gegenwartsraum” ein ganzes Atelier mit allem Drum und Dran aufgebaut hat.

Es stellt selbst eine künstlerische Installation dar mit hohen Papierbahnen an den Wänden und Zeichnungsbergen auf dem Boden. „Drawings of Re-Moval” heißt das komplexe Werk. Arceneaux reist damit durch die Welt und arbeitet am jeweiligen Aufenhaltsort weiter, so entstehen „Zeichnungen aus dem Unterwegssein” heraus.

Auslöser, zeichnerisch den Fragen nach dem Woher und Wohin nachzuspüren, war für Arceneaux eine Reise mit dem Vater nach Texas, zu dessen früherem Haus. Landschaften, Architekturen, räumliche Gebilde - Arceneaux zeichnet die Erinnerungen auf, um sie dann aus den Papierbahnen herauszuschneiden und abzulegen. Dreimal wird er innerhalb des nächsten Jahres von Los Angeles nach Aachen reisen, um seine Erinnerungen fortzuschreiben.

Sam Durant platziert einen entwurzelten Baum kopfüber auf einem Spiegel und lässt dabei harten Rap abspielen - das Bild der entwurzelten Existenz und Kreatur berührt auch politische Dimensionen. Taft Green spielt mit dem Gedanken einer konstruierbaren Welt auf der Modellebene mit verschiebbaren Modulen.

Richard Hawkings Version der amerikanischen Flagge spricht Bände: Statt „Stars and Stripes” tummeln sich Haie auf dem nationalen Symbol. Fotoarbeiten von Cindy Sherman und „ausgegrabene” Werke aus der Sammlung Ludwig setzen darüber hinaus Schwerpunkte in den Kellerräumlichkeiten und am Kopf der großen Halle.