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Koblenz: Freispruch für einen Kannibalen?

Koblenz : Freispruch für einen Kannibalen?

Im Koblenzer Revisionsprozess gegen einen mutmaßlichen Kannibalen hat der 26 Jahre alte Angeklagte die Tat gestern bestritten. Seine Verteidigerin verlas bei der Neuauflage des Prozesses vor dem Koblenzer Landgericht eine entsprechende Erklärung.

Der Mann soll im Januar 2002 in Brohl-Lützing in Rheinland-Pfalz seine Cousine erstickt, zerstückelt und Teile der Leiche gegessen haben. In einem ersten Prozess im Jahr 2003 war der arbeitslose Elektriker wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil wegen eines mangelhaften psychiatrischen Gutachtens aufgehoben. Der 26-Jährige kann nun auf Grund einer Regelung in der Strafprozessordnung darauf hoffen, aus der Psychiatrie entlassen zu werden. Denn weil nur er, nicht aber die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt hatte, darf das neue Urteil laut Gesetz nicht härter ausfallen als im ersten Prozess.

Die Verteidigerin kündigte vor Gericht mehrere Ärzte als Zeugen an. Die Mediziner hätten „keine Anhaltspunkte für geistig-seelische Anomalien” bei dem Angeklagten gefunden. Mit einem Freispruch und einer Entlassung des 26-Jährigen aus der Psychiatrie hätte sie keine Probleme, da sie von seiner Unschuld überzeugt sei, sagte sie am Rande der Verhandlung. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.