1. Kultur

Aachen: Frauen helfen Frauen in der Wissenschaft

Aachen : Frauen helfen Frauen in der Wissenschaft

Die RWTH zeichnet jährlich ein herausragendes Projekt aus, das sich die Förderung von Frauen an der Hochschule zur Aufgabe gemacht hat. In diesem Jahr geht der Frauenförderpreis gleich an zwei Initiativen. Der Arbeitskreis „gender & science” und das Projekt „do-Ing” teilen sich das Preisgeld von 3000 Euro.

Die Gleichstellungsstelle ergriff 2001 die Initiative und gründete den Arbeitskreis „gender und science”. Die Mitglieder des offenen Gremiums kommen aus unterschiedlichen Fachgebieten und investieren ihre Freizeit in die Initiative, die sich mit geschlechts-spezifischen Unterschieden in der Wissenschaft beschäftigt. Es geht darum zu ergründen, wie sich diese Unterschiede auswirken und welche Potenziale und Stärken besser genutzt werden könnten.

Kaum Spitzenjobs

„Gleichstellung im Sinne von Gleichmacherei ist nicht das Ziel”, betont die Sprecherin des Arbeitskreises Birgit Zilch-Purucker. Die Medizinerin und Mutter von drei Kindern will vielmehr erreichen, dass in der Forschung ganz selbstverständlich weibliche und männliche Sichtweisen berücksichtigt werden.

Das ist nicht nur gerechter, es fördert auch die Vielfalt und birgt neue Chancen. Dazu wäre es nötig mehr Frauen in den entsprechenden Positionen zu finden: 2002 waren nur 2,5 Prozent der RWTH-Professoren weiblich. Die Rate der Studentinnen lag bei 34,5 Prozent.

Den Förderpreis möchte die Arbeitsgruppe nutzen, um eine wissenschaftliche Mitarbeiterin zu finanzieren. Sie soll untersuchen, welche Studien es zu dem Thema „gender” (englisch für Geschlecht beziehungsweise männliche und weibliche Geschlechterrollen) gibt und wie die Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Unterschiede in allen wissenschaftlichen Disziplinen erreicht werden könnte.

Vom MInisterium gefördert

Das Projekt „do-Ing” startete 1999 beim ehemaligen Hochschuldidaktischen Zentrum, dem heutigen Zentrum für Lern- und Wissensmanagement (ZLW). Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und will den Anteil von Frauen in den Ingenieur-Studiengängen steigern, mit einem Schwerpunkt auf den Fächern Maschinenbau und Elektrotechnik.

Dazu haben die Mitarbeiter des ZLW eine Reihe von Angeboten für Schülerinnen und Studentinnen entwickelt: Mädchen aus der Mittel- und Oberstufe lernen beim Campustag die Uni kennen. Oder sie bauen in einer Projektwoche mit Studentinnen einen Lenkdrachen.

Betriebsbesichtigungen vermitteln Einblicke in die Praxis und beim Kaffeehausgespräch beantworten Ingenieurinnen in lockerer Atmosphäre Fragen zu ihrem Werdegang und ihren Erfahrungen. „Wir wollen den Schülerinnen Identifikationspersonen vorstellen, Frauen, die in technischen Berufen arbeiten. Das ermutigt sie, sich selbst für ein Ingenieurfach zu entscheiden”, berichtet die Projektleiterin Annette Spangenberg.

Netzwerke aufbauen

Die Angebote für Studentinnen umfassen ebenfalls informelle Gesprächsrunden sowie ein Orientierungs-Tutorium. Dabei beraten Kommilitoninnen des Hauptstudiums junge Frauen aus den unteren Semestern bei den nächsten Schritten im Studium. Neben Firmenbesichtigungen gehört dazu ein gemeinsames Wochenende, wo sie sich den „soft skills” widmen und Präsentationstechniken und den Aufbau von Netzwerken lernen.

Noch ist das „do-Ing” Team unentschlossen, ob es mit dem Geld des Förderpreises eine Mädchen-Sportmannschaft unterstützen oder in die Öffentlichkeitsarbeit investieren wird.