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Stolberg: „Franz Schubert — sein Leben, seine Musik“ in der Region

Stolberg : „Franz Schubert — sein Leben, seine Musik“ in der Region

Komponierende Genies faszinieren ihn. Ganz besonders dann, wenn er — abseits von Lexikon-Wissen — die Menschen mit ihren Leiden, Leben und Lieben würdigen kann. Und das gelingt dem Rezitator Lutz Görner seit vielen Jahren. Nach Ludwig van Beethoven, Franz Liszt und Giacomo Meyerbeer steht jetzt Franz Schubert im Mittelpunkt.

„Sein Leben — Seine Musik“ ist der Titel eines von Görner gestalteten Programms, mit dem er nun auf Tour geht und auch in unserer Region Station macht — zum ersten Mal am kommenden Mittwoch, 7. September, im Rittersaal der Burg Stolberg. Mit dabei sind die Pianistin Nadia Singer und der Tenor Edward Leach.

„Schubert starb im Alter von nur 31 Jahren. Es ist unglaublich, was er dennoch alles geschaffen hat“, betont Görner, der sich sehr persönlich den Schicksalen seiner (manchmal traurigen) Helden zuwendet. Viel hat Schubert komponiert, darunter rund 600 Lieder. Für viele wird er bis heute gefeiert.

Görner erzählt Hintergründe, stellt Querverbindungen her. Einige Werke wurden niemals aufgeführt, weil immer wieder etwas dazwischen kam, weil Schubert sich so ungeschickt anstellte, dass ein Projekt gar nicht erst funktionieren konnte. Franz Liszt war es, der die meisten Lieder Schuberts aufführte und rund 15 Jahre nach dessen Tod in Europa bekannt machte. Was ihn mit Schubert verband, war der gemeinsame Kompositionslehrer Antonio Salieri.

Schubert, zwölftes Kind einer armen Lehrerfamilie, war zwar talentiert, aber schwach. Görner beschreibt ihn als Charakter zwischen Aggression und Apathie. „Er brauchte freundliche Leute, die mehr hatten als er und davon abgaben“, berichtet Görner. „Wenn er selbst etwas hatte, gab er auch alles für andere aus.“ Der Rezitator verfolgt, wie sich der Komponist, der „schief ins Leben gebaut“ war, durchs Leben mühte — in einer Zeit, in der es keine Subventionen gab und in der ein Schulgehilfe sich von einem Tagesverdienst nur einen Laib Brot kaufen konnte.

Schubert war ein solcher Schulgehilfe in der vom Vater geführten Schule. Überhaupt: Wie lebte man im Biedermeier? Wie wirkte sich die politische Lage aus? Und dann erkrankte Schubert im Alter von 26 Jahren auch noch an der Syphilis. Die Geschlechtskrankheit war damals weit verbreitet. „Schubert hat getrunken, geraucht, ungesund gelebt, das sorgte für ein rasches Fortschreiten“, sagt Görner. Schubert ist nach seiner Einschätzung ein unvollendeter Komponist, einer, der noch eine Menge hätte schaffen können.

Dennoch: In Liedern wie „Erlkönig“, „Heideröslein“ und „Der Musensohn“ nach Dichtungen von Goethe hat Schubert seine Meisterschaft gezeigt. Liederzyklen wie „Die schöne Müllerin“ oder „Die Winterreise“ enthalten — so Görner — verborgene Botschaften. Beschreibt das lyrische, tieftraurige Ich, das die Stadt verlässt und von einer Krähe umschwirrt wird, Schuberts eigene Befindlichkeit? Wie ist es mit dem „Lindenbaum“ oder „Das Wandern ist des Müllers Lust“? Görner wird davon erzählen — und das Publikum mit auf die Zeitreise nehmen.