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Fleischloses für Gaumen und Gewissen

Fleischloses für Gaumen und Gewissen

Jülich (an-o) - "Vegetarier leben länger!" - behauptet zumindest der Vegetarier-Bund. Am 1. Oktober feiern die Anhänger fleischloser Kost zum 25. Mal weltweit den Vegetariertag. Doch Vegetarier ist nicht etwa gleich Vegetarier, weiß Expertin Margret Braun aus Jülich.

Seit nunmehr 16 Jahren schwingt sie im Jülicher Naturkostrestaurant "Königshäuschen" den vegetarisch vollwertigen Kochlöffel. Dort finden sowohl Ovo-Lacto-Vegetarier, "das sind die, die auch tierische Produkte wie Milch und Eier essen", als auch die auf Eier verzichtenden Lacto-Vegetarier und sogar die auf alles Tierische verzichtenden Veganer garantiert etwas, das sowohl Gaumen als auch Gewissen gefällt.

Pudding-Vegetarier

Der vegetarische Volksmund kennt aber noch eine weitere Unterscheidung, erläutert die Küchenchefin schmunzelnd: "Pudding- und Vollwert-Vegetarier." Pudding-Vegetarier ernähren sich aber keinesfalls nur von süßen Sachen: "Das sind meist Menschen, die sich aus ethischen, nicht gesundheitlichen Gründen gegen Fleisch entscheiden haben. Die essen auch Weißmehl und raffinierten Zucker."

Eigentlich aber zählen Margret Braun und Ehemann Heribert zuständig für den Service, zu den Vollwert-Vegetariern der Spezies "Ovo-Lacto". Als das Ehepaar sich aus gesundheitlichen Gründen entschloss, die eigene Ernährung umzustellen, waren sie noch Exoten. 1983 zählten verschwindend geringe 0,6 Prozent der Bevölkerung zu den "Körnerfressern". "Das hörte man damals schnell", erinnert sich Margret Braun. Heute verzichten bereits acht Prozent aller Deutschen auf Fleisch und Fisch. Dazu zählen auch die zwei erwachsenen Töchter der Gastronomen.

Selbstverständlich gibt es auch für die Enkelkinder weder Würstchen noch Schnitzel. Noch essen die Kleinen mit Begeisterung Weizen-Gyros, Tofuwürstchen und Vollkornnudeln, doch "wenn die Kinder irgendwann mal auf den Fleischgeschmack kommen, dann werden die das auch dürfen," meint die dreifache Großmutter.

Wenn sie auch sehr überzeugt von der vegetarischen Lebensweise ist, so ist Margret Braun doch jeder Dogmatismus fremd. Passend zum Untertitel des Vegetariertags: "Frei von Dogmatismus und Eifer."

Berühmte Ahnenreihe

Doch egal ob dogmatisch oder nicht, wohl jeder Vegetarier hat Argumente, um Fleisch essende Zeitgenossen zum Umdenken zu bewegen. Margret Braun zitiert gerne aus dem Buch "Vegetarisch leben" von Ronald Zürrer und Armin Risi. Da kann der interessierte Noch-Nicht-Vegetarier im Kapitel "Misswirtschaft und Umweltzerstörung" nachlesen, dass für die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch rund 16 Kilo Pflanzen nötig sind. Oder, dass die Energie aus einem einzigen Steak von 225 Gramm ausreicht, um einen ganzen Tag lang vier Menschen vor dem Hungertod zu retten. Die Autoren zählen eine ganze Ahnenreihe berühmter Vegetarier, von Aristoteles, Horaz und Pythagoras über Leonardo da Vinci, Mahatma Ghandi und Albert Schweitzer bis hin zu Luise Rinser und Bertha Freifrau von Suttner auf.

Quasi zur Pflichtlektüre eines jeden Vegetariers gehört die Zeitschrift "Vegetarisch fit", ist sie doch die einzige Publikation, die sich ausschließlich mit vegetarischem Essen und dessen Zubereitung befasst. Die Jülicherin hat für diese Zeitschrift bereits einige "Rezepte des Monats" kreiert. Tipss gibtÔs auch in den Kundenzeitschriften "Schrot&Korn" (in Bioläden) - und "Neuform Kurier" (Reformhaus).

"Königshäuschen", Jülich, Aachener Landstraße 25, Nähe Autobahnausfahrt A44 Jülich-West, 02461/2700, Fr. - So. 18 -21 Uhr, So. auch 12 - 13.30 Uhr.

Mehr dazu: www.koenigs

haeuschen.de.