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Essen: Flämische Malerei in der Villa Hügel: Landschaftsbilder markieren die Wendezeit

Essen : Flämische Malerei in der Villa Hügel: Landschaftsbilder markieren die Wendezeit

Er sei „ein gut landschaftsmaler”, urteilte Dürer einst über seinen Künstlerkollegen Joachim Patinir.

Winzige Gemälde des 1524 gestorbenen niederländischen Meisters hängen am Beginn einer opulenten Ausstellung in der Essener Villa Hügel, die die Entwicklung der Landschaftsmalerei an erlesenen Beispielen flämischer Kunst zwischen Pieter Bruegel und dem Barock verdeutlicht.

Genau 127 Altmeister-Gemälde in der Essener Schau - Leihgaben aus 60 Museen und Privatsammlungen in aller Welt - zeigen, welche Bedeutung die Landschafts-Schilderei von ihren flämischen Anfängen bis heute in der Kunst des Abendlandes hat.

Der Gang entlang an den Wald-, Gebirgs-, Meeres- oder Fantasielandschaften wird auch zur Entdeckung einer Wendezeit: Renaissance, Reiselust und wissenschaftliches Interesse drängten die Natur als bloße Bühne religiöser Bildmotive in den Hintergrund und zeigen mit der „Emanzipation” der Landschaftsmalerei auch die „Befreiung” eines modernen Menschen.

So ist in Patinirs „Flucht nach Ägypten” das Heilige Paar nebst Esel gerade noch etwas größer als ein Daumennagel. An der „Landschaft mit Bergwerk” (um 1555) mit sich türmenden Wolken und Bergen lässt sich an kleinfigurigen Szenen nicht nur ein Lob des Gewerbefleißes ablesen: Ein Hund, der am Essenskorb schnuppert, glosende Schmiedefeuer und jede Speiche der Schubkarren dokumentieren verblüffend den typischen Realismus in der Malerei der Niederlande.

Zu den Kostbarkeiten der Ausstellung gehört die einzige bekannte Radierung Pieter Bruegels d.Ä. („Hasenjagd”/1506), zu den Köstlichkeiten eine kleinformatige Gebirgslandschaft Paul Brils, die mit Bogenbrückchen und antiker Architektur die lange Rom-Erfahrung des Flamen spiegelt.

Seit einem „Halt vor der Schmiede” (1603) von der Hand Jan Brueghels d.Ä. werden Flüsse und Wege zu Kompositionsprinzipien, die eine neue Bildtiefe schaffen. So wird in de Mompers überaus atmosphärischer „Winterlicher Dorflandschaft mit Schlittschuhläufern” oder David Teniers um 1640 gemalten stillen Szene einer Wäschebleiche das Bild zur regelrechten Bühne.

Während in dramatischen See- Ansichten wie in Jan Porcellis´ Sturmschilderung die windgepeitschten Segelschiffe für die Unwägbarkeiten des Lebensweges stehen, galten Paradiesschilderungen mit ihrem exotischen Getier wie in einem Gemeinschaftsbild von Jan Brueghel und Peter Paul Rubens als besondere Herausforderung und Triumph der Malerei.