1. Kultur

Aachen: „Finanz-Delle” hat bittere Folgen für Kultur in der Regio

Aachen : „Finanz-Delle” hat bittere Folgen für Kultur in der Regio

Was NRW-Kulturminister salopp als eine „Delle” in der regionalen Kulturpolitik bezeichnet, die sich vielleicht ja durch Sponsorengelder ausgleichen ließe, wäre für die seit 1997 etablierten zehn Kulturregionen im Lande - eine davon ist die Regio Aachen mit 88 Projekten in vier Förderjahren - ein dramatischer Einschnitt und zugleich ein Rückschritt nach mühsamen Jahren der Organisation.

Mit 130 Millionen Euro wird der Kulturhaushalt des Landes Nordrhein-Westfalen beziffert, 5,172 Millionen davon gingen in die regionale Kulturarbeit - im nächsten Haushaltsjahr sollen es nur noch 2,84 Millionen Euro sein, die sich zehn Regionen teilen müssen.

„Eine schwierige Situation, die uns große Sorgen bereitet”, betonte am Mittwoch Aachens Kulturdezernentin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die zugleich Vorsizende des seit 2001 bestehenden Sozio-kulturellen Auschusses der Regio ist.

„Es fällt doch auf, dass die Landeskulturpolitik eher geschont wird, während man sie regional radikal herunterfahren will.” Hier geht es um ganze Netzwerke, um kostbare Kontakte über die Gemeindegrenzen hinweg, die langsam gewachsen sind.

„Seit 1997 besteht unsere Kulturplattform mit 130 Vertretern aus Kultur, Tourismus und Wirtschaft, und sie funktioniert”, berichtet Klaus Ring, Ausschußmitglied und Leiter des Eifelmuseums Blankenheim. „Erst durch sie konnte Aachen als Drehscheibe internationaler Kultur hervorgehoben werden.”

„Die bisher eingesetzten Gelder einer Kulturförderung haben mit hoher Effektivität gewirkt, wir sind quasi zu Beratern dieser Landespolitik geworden”, nennt Susanne Titz, als Leiterin des Neuen Aachener Kunstvereins Mitglied der „Kulturplattform”, einen weiteren Aspekt.

Mit 50-prozentigen Streichungen würden gleichfalls jene Gelder wegfallen, die erst durch den NRW-Zuschuss zur Kofinanzierung erreichbar sind.

Nicht zuletzt der „menschliche Faktor” spielt eine wichtige Rolle. „Wenn bei uns eine einzige Stelle finanziert wird, können wir gleichzeitig zahlreiche Ehrenamtler an uns binden”, weiß Jutta Kröhnert von Akut, dem Netzwerk Freies Theater in der Euregio. Einschneidende Maßnahmen, da sind sich alle einig, lassen kostbares Engagement verlöschen.

„Endlich konnte es Initialzündungen geben, wie etwa beim Kammermusikfestival ,Spannungen in Heimbach, das längst von alleine läuft”, sagt auch Susanne Ladwein vom Kulturkoordinationsbüro der Regio Aachen. „Das alles ist in Gefahr. Das kommunale Kirchturmdenken würde so erneut geförder.”

Man will sich wehren - unter anderem im Rahmen einer Veranstaltung am 28. Oktober, 18 Uhr, im Soziokulturellen Zentrum Düsseldorf.