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Aachen: Ferne Berge und wilde Wellen auf sanfter Farbe: Große Schirmer-Schau

Aachen : Ferne Berge und wilde Wellen auf sanfter Farbe: Große Schirmer-Schau

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Noch immer kommen neue Klimakisten an, kontrollieren Restauratoren und Kuriere die „malerischen” Inhalte dieser Spezialpakete.

Wenn am 23. August um 20 Uhr, offiziell die Ausstellung „Johann Wilhelm Schirmer in seiner Zeit - Landschaft im 19. Jhdt. zwischen Ideal und Wirklichkeit” eröffnet wird, atmet das Team im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen auf. Wir schauten uns zwischen Verpackungen und Handwerkszeug jetzt schon ein wenig um.

Immer wieder wird es ganz still im großen Raum, denn die Vorbereitungen zur großen Ausstellung mit rund 150 Ölgemälden, 80 Werken auf Papier und zusätzlich 30 Bildern von Zeitgenossen dieses Johann Wilhelm Schirmer, einem Meister der frühen Freilichtmalerei, verlangen höchste Konzentration - ganz besonders bei den Restauratoren Michael Rief und Ulrike Villwock.

Sie überprüfen, ob Rahmen und Bild während ihrer Reise trotz Spezialverpackung mit Kantenschutz gelitten haben. Und es ist sogar vorgeschrieben, in welcher Fahrt- oder Flugrichtung die Objekte transportiert werden dürfen. Zunächst werden die bereits verzeichneten Schäden ansgesehen und auf einer Fotokopie vom Bild „abhakt”.

Schon bei Eintreffen des jeweiligen Kuriers gilt es, den Zustand zu bestätigen, gegenseitige Unterschriften zu leisten, Nummern zu vergleichen. „Auf diese Weise entgeht uns nichts, und wir haben es hier ja zum Teil mit hohen Versicherungssummen zu tun”, betont Michael Rief. „Manchmal dauert es zwei Stunden, bis wir ein Bild begutachtet haben.”

Er ist die erste große Schau, die einen umfassenden Einblick in das Schaffen Schirmers gibt, der 1807 in Jülich geboren wurde, an der Düsseldorfer Akademie lernte und lehrte. Gemeinsam mit der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe wird organisiert, denn schließlich war Schirmer auch hier aktiv - als erster Direktor der dortigen Akademie.

„Wir haben die Ausstellung allerdings deutlich um den regionalen Aspekt erweitert”, erzählt Museumsmitarbeiterin Sylvia Böhmer. So kombiniert das Suermondt-Ludwig-Museum die Schirmer-Werke mit Gemälden aus dem eigenen Besitz, die Motive aus dem rheinischen Raum zeigen.

Es war allerhand Vorbereitungsarbeit nötig, um Platz für Bergmassive, Schluchten, liebliche Täler und Meereswogen zu schaffen. „Zum ersten Mal wurde das gesamte Erdgeschoss ausgeräumt”, so Sylvia Böhmer.

Unter der Regie von Kurator Dr. Adam C. Oellers entstanden farblich speziell getönte Räume für die jeweiligen Genres. Ein zartes kühles Grün ist Untergrund der Seestücke, ein warmer Rosé-Ton begleitet italienische Landschaften, mit hellem Blau antwortet man auf die imposanten Himmel der Berglandschaften.

„Man muss sehr vorsichtig sein, aber eine Farbgebung dient dem Besucher nicht zuletzt als Orientierung beim Besuch der Ausstellung”, meint Sylvia Böhmer. Für sie bleibt es nicht bei der Begegnung mit Schirmer, sie will einen größeren Rahmen schaffen.

So gibt es zeitgleich im Kupferstichkabinett Grafiken und Zeichnungen zur Thematik, beschäftigt man sich in der zweiten Etage des Hauses mit der zeitgenössischen Landschaftsfotografie. „Es existieren verblüffende Parallelen zu Schirmer”, sagt Sylvia Böhmer. „Im Moment gibt es in der Fotografie wieder eine stärkere Tendenz zu romantischen Motiven und stimmungsvollen Impressionen.”

Was sie jetzt bereits bei Schirmer fasziniert: „Er setzt in seinen Landschaften und Studien Gefühle wie Macht, Stärke oder Frömmigkeit um, diese Natur kann heroisch und kühn, aber auch sehr lieblich sein. Beim Anschauen reagiert man mit Emotionen.”

Doch bevor der erste Besucher dem Blick Schirmers auf dramatische Wolkenbilder, Waldidyllen, erstaunlich realistisch dargestellte Wasserwelten, sonnenwarme südliche Gefilde und einsame Feldwege folgen darf, wird Volontärin Anke Volkmer noch über den meterlangen Bestandslisten und den aus Papier zurechtgeschnittenen Raumgrundrissen brüten.

Die Haushandwerker haben alle Hände voll zu tun, um umzusetzen, was hier vermerkt ist: Jedem Bild muss der passende Platz zugewiesen werden, und um jeden Irrtum auszuschließen, kleben an jetzt schon Fotokopien aus den Katalog an den entsprechenden Stellen als schwarzweiße Platzhalter.

Bald sind die Schrauben in der Wand, verschwinden Zollstock, Stifte und Arbeitstische. Dann entfalten die faszinierenden Impressionen Schirmers ihre Magie.

„Johann Wilhelm Schirmer in seiner Zeit - Landschaft im 19. Jahrhundert zwischen Ideal und Wirklichkeit”, Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, Wilhelmstr. 18.

Eröffnung 23. August, 20 Uhr, bis 17. November Di.-Fr. 11-19 Uhr, Mi. 11-21 UHr, Sa./So. 11-17 Uhr, Eintritt 5 Euro, Katalog 24 Euro, Führungen So. 11, Mi. 19.30 Uhr, Gruppen anmelden unter 0241/4798020, Info 0241/4798012.