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Aachen: Fasziniert von Mozarts höherer Heiterkeit

Aachen : Fasziniert von Mozarts höherer Heiterkeit

Sie heißt „Rosalie”. Das ist ihr Künstlername, mit dem sie auch als Professorin in der Liste der Lehrenden an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach steht.

Die 49-jährige Künstlerin, die unter anderem mit ihren Bühnen- und Kostümentwürfen für die Neuinszenierung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen” in Bayreuth von sich reden machte, ist im Moment in Aachen bei der optischen Gestaltung der Mozart-Oper „Cosí fan tutte” im Einsatz.

Am 9. November, 19.30 Uhr, ist die Premiere im Großen Haus. Vorab sprach sie im Suermondt-Ludwig-Museum über ihre Kunst.

Lichtsäulen, riesige Platten mit Sonnenkollektoren, ein grüner Schirmwald, der ein faszinierendes Lichtspiel ermöglicht, riesige Totenmasken - wenn Rosalie für Bühnenbild und Kostüme zuständig ist, wird man Rüschen und Biedermeier-Möbel auf der Theaterbühne vergeblich suchen.

Im Suermondt-Ludwig-Museum gab die Bühnen- und Kostümbildnerin, die zugleich Bildende Künstlerin ist und Studenten an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung unterrichtet, in einer multimedialen Show Einblick in ihre Arbeiten für Ballett, Oper und Schauspiel. Rosalies Vortrag bildete übrigens den Auftakt zur neuen Vortragsreihe „Bild und Bühne„ des Museumsvereins.

„Das Material, das sich im Theater findet, reicht mir oft nicht aus”, sagt sie. Dagegen faszinieren und inspirieren sie Alltagsmaterialien. „Ihr Eigenleben jenseits der eigentlichen Verwendung interessiert mich.” So wandern Kunstrasen, riesige Kreissägen, Flugzeugscheinwerfer und eben auch Sonnenkollektoren auf die Bühne. Die Künstlerin ließ im „Ring des Nibelungen” die Walküren nicht auf Pferden reiten: Sie jagten in stählernen Flugkonstruktionen kreuz und quer über den Bühnenhimmel - eine Herausforderung für die Bühnentechniker.

„Ich mag das Wort Ausstattung nicht. Meine Bühnenbilder sind inszenierte Räume, mit denen ich mich identifiziere”, gibt Rosalie Einblick in ihr Arbeitsverständnis. Sie liebt das Gestalten - ob nun öffentliche Flächen wie den Gropiusplatz in Offenbach, der elf kinetische Figuren von Rosalie trägt, oder eben eine Bühne. Text, Musik, Hintergründe - das sind Elemente ihrer Grundlagenforschung, bevor sie mit einem Werk wie Mozarts „Cosí fan tutte” beginnt.

„Mozart fordert uns auf, das Bekannte aufzubrechen, die Dimensionen neu auszuloten”, sagt sie nachdenklich. Ihr Ziel ist es, den Dialog der Zeiten zu entwickeln, den Bogen von den Spannungen der Mozart-Figuren zum Heute mit seinen ganz ähnlichen Themen zu schaffen. „Auch das Materialbewusstsein unserer Gegenwart spielt eine Rolle, der Raum wird durch Zeichen gestaltet, zugleich wird alles leicht sein. Ich lasse der Fantasie der Zuschauer noch Luft.” Was ihr bei Mozart besonders wichtig ist: die „höhere Heiterkeit”, sagt Rosalie. Und das wird sie gestalterisch umsetzen.

„Bühne und Kostüme sind dabei untrennbar.” Die Aachener Sänger brauchen sich nicht vor starren, unbeweglichen Kostümen zu fürchten. „Die Darsteller sind die Könige, wir müssen ihnen dienen”, formuliert sie ihr Credo. „Mit dem richtigen Kostüm kann man zum Beispiel eine fülligere Sängerin federleicht darstellen.”

In den aus über 20 Jahren stammenden Ausschnitten und Bildern von Rosalies Arbeit, die sie bei ihrer Schau zeigte, wird klar: Zu der Gesamtinszenierung gehört Licht - nicht selten farbiges Licht.

Die Regenbogenbrücke nach Walhall in Wagners „Ring” stellt sie durch herabhängende Lichtsäulen dar, die in wechselnden Farben erleuchten. Siegfrieds Drache hat einen Schlund aus rotem Licht. Man darf also gespannt sein, was sich die Künstlerin für die Aachener Mozartoper ausgedacht hat Bei allem, was Rosalie tut gilt jedoch immer: „Kein Ding, kein Grundsatz, keine Form ist sicher. Was heute gilt, ersetze ich morgen durch eine neue Idee.”

Ihre Studenten lehrt sie das Sehen und den Mut zur Fantasie. „Ich gebe in erster Linie weiter, dass es keine Rezepte gibt”, betont sie. „Aber es gibt Ressourcen im eigenen Ich, die man nutzen sollte, es gibt Neugier, Offenheit und den Mut zum Risiko.”