Aachen: Faszinierend: Tania Pérez-Salas Company aus Mexiko bei Schrittmacher

Aachen : Faszinierend: Tania Pérez-Salas Company aus Mexiko bei Schrittmacher

Die Eleganz, mit der sie sich die Frauen greifen, sie missbrauchen und auf einen Haufen werfen wie ausgesaugte Puppen, steigert das Entsetzen. Schönheit und Grauen verbinden sich bei der Tania Pérez-Salas Company aus Mexiko, einer stolzen, grandios trainierten Truppe, mit der Festivalleiter Rick Takvorian erneut belegt: Das Schrittmacher-Tanzfestival hat Weltklasse.

Diese Company hat er persönlich ausgewählt, als ihn die mexikanische Regierung zu zwei Tanz-Events eingeladen hatte.

Die elfköpfige Truppe zeigt in der Fabrik Stahlbau Strang zwei Choreographien ihrer Leiterin — „3. Fourteen-Sixteen“ und „Macho Man XXI“. Der zweite Teil des Abends nimmt allen den Atem, steigert sich dort, wo man glaubt, bereits ein Extrem zu erleben. Die Choreographin setzt auf klassische Formen im Gewand des Contemporary Dance, gewürzt mit Jazz und lasziven Momenten. Kühle, unter der es brodelt. Edle Kostüme steigern die Aussagen.

Mathematisches Kalkül liegt der ersten Arbeit zugrunde. Der Ernst der Akteure trägt dazu bei, dass man sich ganz den Formen hingibt, mit denen Musik des Barocks die Körper zum Schwingen bringt, die wie als Wesen in Batist strenge Sinnlichkeit entwickeln, clean, beherrscht und kraftvoll. Da werden die rückwärtigen Körperformen unter glänzendem Stoff zu stillen Signalen für mehr. Das Schlagen der Arme, die Wellenbewegung der Brust, eine Dynamik, die stets beherrscht bleibt, reizt zum Hinschauen. Nacktheit wird zum innigen Verschmelzen der Formen, wunderschön modelliert in einer ausgezeichneten Lichtregie, die den Abend aufleuchten lässt und interpretatorisch begleitet.

Im zweiten Teil des Abends entfaltet sich heftiges Tanztheater auf der eigens ausgelegten Spiegelfolie. Tania Pérez-Salas entwickelt Bilder von großer Dramatik, die erschrecken, unterhalten und faszinieren. Da wird der Zuschauer mit Bossa-Nova-Rhythmen ganz tief hineingezogen in die ewigen Sehnsüchte der Frauen und gleichzeitig in Gier und Skrupellosigkeit der Männer. Rasch schlägt Zärtlichkeit um in geübten Missbrauch. Da gibt es auf der Seite der Frauen keine Gegenwehr, nur ein Dahinschmelzen und Zerfließen.

Großartig die Aktionen auf den Büro-Rollstühlen, auf denen man sich räkelt und bei Bedarf, das „verbrauchte“ Weibchen wegrollt. Großartig die Flamenco-Nummer der Männer. Unter wallendem Schwarz eines gigantischen Vorhangs verschwinden die Frauen und tauchen in aufregend roten Kostümen wieder auf — ganz nach Wunsch der muskelbepackten Typen in „Macho Man XXI“. Donnernder Applaus für einen großen Abend.

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