Aachen: Fantasie-Schriftzeichen, futuristische Maske und Fotos

Aachen : Fantasie-Schriftzeichen, futuristische Maske und Fotos

Hiroki Tsukuda hat sein Handy immer in der Tasche. Allerdings braucht es der 39-jährige Japaner vor allem zum Fotografieren. Egal, ob er gerade auf Hawaii, in Berlin oder im zerstörten Fuku­shima ist — er archiviert die Inspirationen aus Natur und urbanen Konstruktionen, die er später in seine Bilder und Skulpturen einarbeitet.

Im Haus des Neuen Aachener Kunstvereins (NAK) wird heute Tsukudas erste große institutionelle Ausstellung in Deutschland unter dem Titel „Hour of Excavation“ eröffnet.

„Stunde der Ausgrabung“ — so lässt sich der von Tsukuda gewählte Titel übersetzen und gibt dem Besucher gleichsam eine Aufgabe: „Man braucht Zeit, die Zeichnungen aus Tusche und Kohle auf Papier zu scannen. Der Betrachter muss die Schichten freilegen, um die verschiedenen Ebenen zu durchdringen“, sagte Ben Kaufmann, Leiter des NAK. Unverkennbar ist in den Arbeiten die Nähe Tsukudas zu Film und Fotografie, wenngleich er über sein Studium am Department of Imaging Art and Sciences an der Musashino Art University in Tokio sagt: „Ich war ein fürchterlicher Student.“

Die Freude an der Inszenierung hat er aber nicht verloren. Er baut sie vielmehr in die Ausstellungen seiner Bilder ein. So bekommen die unterschiedlich großen und alle geometrischen Figuren annehmenden Papierarbeiten des in Kagawa geborenen Künstlers nicht nur einen zur Präsentation gehörenden Plexiglasrahmen. Tsukuda gruppiert sie im ersten Stock des NAK auch auf ein niedriges Sideboard — quasi als Kunstwerk aus Kunstwerken.

Im Erdgeschoss wurde eine große Zeichnung, in der sich Formen, Fantasie-Schriftzeichen und Strukturen entdecken lassen, zum Teil einer Skulptur. Tsukuda hat dafür örtliche Baumärkte aufgesucht, um Wasserrohre, Ytong-Steine und Betonplatten zu besorgen. Alte Holzlatten und -bretter, Rundhölzer und andere Fundstücke aus dem Baubereich komplettieren die Installation, die in dieser Form nur an diesem Ort zu sehen sein wird. „Nächstes Mal wird sie wieder anders aufgebaut. Das ist ein Prozess“, erklärte Tsukuda. Und Kaufmann ergänzte: „Diese Gebrauchsgegenstände haben schon von sich aus eine Ästhetik.“

Neben einer weiteren Skulptur, die natürliche und technische Materialien zu einer futuristischen, Maske eines Filmhelden kombiniert, zeigt Tsukuda auch 200 Fotos seines Inspirationsarchivs — mit grafischem Auge auf einem Tisch angeordnet und ebenfalls einem Kunstwerk gleich. Und da Tsukuda auch in Aachen sein Handy stets in der Tasche hat, wächst seine Quellensammlung wohl auch hier weiter.

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