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Köln: Fans feiern Eros Ramazzoti in der Kölnarena

Köln : Fans feiern Eros Ramazzoti in der Kölnarena

Alle guten Dinge sind neun. Mit ebenso vielen Longplayern im Gepäck ist Eros Ramazzotti derzeit auf Tour.

Mittwochabend machte der charismatische Römer Station in der Kölnarena. Um die Abstriche gleich vorwegzunehmen: Eine Erkältung und ein Zusatzkonzert machen noch keine volle Halle - das für den 29. November geplante Kölner Konzert war aus Krankheitsgründen abgesagt und das Publikum gesammelt auf den zweiten, späteren, Termin umgebucht worden - und auch Liebesgötter (im fortgeschrittenen Alter) können Speckröllchen ansetzen. Treue Anbeterinnen beeindruckt das nicht die Spur.

T-Shirt und Turnschuhe

Mit akzeptablen 17 Minuten Verspätung betritt ihr inzwischen 40-jähriges Idol die Bühne und wird sogleich zum Objekt der kollektiven Begierde. „E-ross! E-ross! E-ross!”, schrillt es über die Ränge.

Vom feinen Zwirn hält der erklärte Fußballfan genauso wenig wie vor zwei Jahren, als er am gleichen Ort in fast identischem Outfit auftrat: T-Shirt, Hose, Turnschuhe. Allerdings sorgt jetzt der verwaschene Aufdruck „Köln” auf dem Shirt für zusätzliche Bonuspunkte.

Angenehm an diesem Konzert, das rund zwei Stunden, 18 Stücke und drei Zugaben dauern wird: Ramazotti begreift es als Hommage an seine Fans, nicht als Hommage an sich und seine Verkaufszahlen.

Anstatt, wie einige seiner Kollegen, vor allem das letzte, in seinem Fall schlicht „9” benannte, Album zu pushen, gibt es erst mal eine satte Ladung akustisches Verwöhnaroma. „LOmbra Del Gigante” („Stilelibero”, 2000) zählt ebenso dazu wie Ramazzottis Hit-Debüt „Una Terra Promessa”, mit dem er 1983 beim San Remo-Festival Lorbeeren einheimste.

Begleitet wird der Mega-Star, der weltweit rund 30 Millionen Tonträger verkauft hat, von sieben Musikern und zwei Sängerinnen. Über das Outfit der Damen - schwarze Satin-Pellen und schräge Strass-Pumps, die in Kombination nur ziemlich albern wirkende Geisha-Schrittchen zulassen - mag man denken, was man will, aber stimmlich sind sie recht gut beieinander.

Ramazzotti legt nach und erledigt, mal rockig, mal schmelzend, Stück um Stück alle Neune: Jedes einzelne Album, angefangen mit „Cuori Agitati” (1983) bis „9” (2003) ist vertreten.

Dass Signore Ramazzotti gerne neu arrangiert, zitiert und persifliert, hat er schon 2001 in der Kölnarena gezeigt, und er tut es an diesem Abend wieder. Schonungslos opfert er „Aisha” den schönen Pathos seiner Stimme, dirigiert ein imaginäres Orchester, zollt Reggae, Rock und Soul Tribut. Für Soli der Kollegen ist dabei reichlich Platz.

Je später der Abend, desto größer der Anteil der neuen Stücke und desto augenzwinkernder die Show. Ein rotweißes Lotterbett sinkt hernieder, die Band probt Boygroup, der Frontmann gibt sich kussfreudig und zeigt, wie beweglich er noch immer in den Hüften ist.

Wer dabei bloß an graue Haare, einen hohen Haaransatz und ein paar Pfund zuviel denkt, ist selbst schuld. Mit Klassikern wie „Musica E” zieht der charmante Italiener alle Register.

Zum Abschied gibt es „Fuoco Nel Fuoco”, was frei übersetzt soviel heißt wie „Man soll Feuer nicht mit Feuer bekämpfen”. Für die vielen blond gefärbten Frauen im Publikum bestimmt nicht der schlechteste Rat...