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Aachen: Familienstück „Pünktchen und Anton” im Theater Aachen bejubelt

Aachen : Familienstück „Pünktchen und Anton” im Theater Aachen bejubelt

1931 zum ersten Mal veröffentlicht, 1953 und 1999 verfilmt - beim zweiten Mal von Caroline Link dem Zeitgeschmack angepasst -, ist der Kinderroman von Erich Kästner bis heute aktuell und schön: „Pünktchen und Anton”.

Das Theater Aachen bringt jetzt die Bühnenversion in der Bearbeitung und Inszenierung von Ulrich Hüni als Familienstück heraus. Die Premiere endete am Donnerstagmittag nach zwei Stunden Spielzeit (inklusive Pause) mit begeistertem „Zugabe”-Jubel der kleinen Zuschauer.

Flott aufgelöst in eine muntere Abfolge von Szenenbildern findet sich die Romanvorlage. Ein Conferencier im Glitzerkostüm (Stefanie Dischinger) verbindet die einzelnen Kapitel mit jenen „Nachdenkereien” - zum Beispiel über Stolz und Ehre -, in denen der Autor bereits im Roman allerlei ethische Fragen behandelt. Auf der Bühne fällt diese „pädagogische Nachbearbeitung” und Erläuterung der Szenen zum Glück nur ganz kurz, mit leicht ironischem Witz und wenig belehrend aus.

Geradlinig erzählt

Die Geschichte von dem armen Jungen Anton (Markus Schramm) mit seiner kranken Mutter (Bettina Scheuritzel) und der Luise, genannt Pünktchen (Julia Brettschneider) und ihren reichen Eltern, die nie Zeit haben, wird geradlinig erzählt. Lustige, herrlich karikierte und entsprechend kostümierte Typen (Bühne und Kostüme: Katja Schröder) bestimmen die kurzweilige Handlung, bis der elende Einbrecher Robert (Thomas Hamm) von der „Dicken Berta” (Dorothea Köhn) endlich eins mit der Bratpfanne übergezogen bekommt.

Bis dahin wird dem Publikum vergleichsweise sparsam, aber sehr effektvoll allerlei staunenswerter Bühnenzauber vor Augen geführt - was doch im Theater so alles möglich ist: eine im Boden versenkbare kleine Küche, wo Anton Rührei zubereitet; eine fliegende Fee, die bei „Pünktchen und Anton” zwar eigentlich gar nicht vorkommt, aber auch nicht weiter stört; und ein wunderbares Schattenspiel von der Brücke in Berlin, wo Pünktchen ihre Streichholzschachteln verkauft. Dass dies alles tatsächlich nichts als Theater ist, das machen die trefflichen Schauspieler gleich zu Anfang klar, als sie in „normaler” Straßenkleidung auf die Bühne treten und sich fragen: „Was sollen wir denn jetzt mal spielen?”

Die Szenerien sind durchs Bühnenbild kaum mehr als angedeutet, viel Fantasie ist gefragt, wovon die Zuschauer, der lebhaften Reaktion nach zu urteilen, offensichtlich in reichem Maße mitbringen. Und dann geht es auch schon zur Sache: Wenn Antons Mutter im gesamten Großen Haus gesucht wird, tobt der Bär bis hoch in den Rängen; und atemlos still wird es, als der fiese Robert sein gemeines Spiel beginnt...

Die Darsteller spielen dabei bis zu fünf Rollen - besonders intensiv und mit erstaunlichem Einfühlungsvermögen in eine Hundeseele: Stefanie Dischinger als kläffender Vierbeiner Piefke. Und als Conférencier, Chauffeur, Lehrerin und Polizist. So viel Spielfreude - das lässt keinen Zuschauer kalt! Eine liebenswert freche Göre mit vorlautem Mundwerk und selbstbewusstem Augenaufschlag: Das ist Julia Brettschneider als Pünktchen.

Markus Schramm spielt Freund Anton gleichfalls sehr einfühlsam; und auch dem verblüffend wandlungsfähigen Rest der Belegschaft mag man mit viel Spaß zusehen: Bettina Scheuritzel als „doppelte” „Mutter Pogge” und „Mutter Gast”, Dorothea Köhn als „dicke Berta”, Katharina Merschel als Zofe, Fee, Lehrerin und Polizistin, Thomas Hamm als Klepperbein, Robert, Fleischermeister und Lehrer, und Torsten Borm als Herr Pogge, Friseur Habekuß, Lehrer und sogar als Antons blaues Heft... Da lachen ja die Hühner!