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Aachen/Bonn: Exzellenzinitiative: RWTH greift nach der zweiten Chance

Aachen/Bonn : Exzellenzinitiative: RWTH greift nach der zweiten Chance

Kaum, dass sich fast überall herumgesprochen hat, wie und wo die RWTH Aachen exzellent ist, geht es schon in die zweite Runde des Wettbewerbs um die deutschen Spitzenunis. Welche Hochschulen dabei die erste Hürde nehmen, wird morgen in Bonn verkündet. Die RWTH hat diesmal vier Exzellenzcluster sowie zwei Graduiertenschulen beantragt. Darüber hinaus hat sie sich wiederum als „Elite”-Universität beworben.

An diesem Titel, den es offiziell gar nicht gibt, war sie in der ersten Runde gescheitert. Dennoch gehört sie bisher zu den erfolgreichsten Hochschulen der „Exzellenzinitiative” mit bereits einer Graduiertenschule (so genannte „1. Förderlinie”) und zwei anerkannten Clustern („2. Förderlinie”). Für diese drei Einrichtungen erhält die RWTH in den nächsten fünf Jahren zusammen rund 40 Millionen Euro. Noch einmal gut 65 Millionen würden es sein, wenn es diesmal mit dem Titel klappt („3. Förderlinie”).

Hohe Hürden

Graduiertenschulen führen herausragende Studienabsolventen mit besonderer Betreuung zum Doktortitel. Beantragt hat die TH jetzt eine Schule für angewandte Informatik sowie eine für Biomedizintechnik. Exzellenzcluster sind Verbünde von Forschern verschiedener Fächer innerhalb und außerhalb der Hochschule, die wichtige Zukunftsthemen auf internationalem Niveau bearbeiten. Beantragt wurden vier Cluster für diese Themen: Brennstoffe aus Biomasse, chemisch-physikalische Materialforschung, Energieforschung sowie Autosicherheit.

Das mehrstufige Auswahl-Verfahren klingt ein bisschen kompliziert, soll aber für Qualität sorgen. Im vergangenen September haben die RWTH (und die anderen Hochschulen) so genannte Antragsskizzen vorgelegt. An diesem Freitag nun teilt eine gemeinsame Kommission aus Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat (WR) mit, für welche Cluster und Schulen bis April vollständige Anträge eingereicht werden dürfen. Die sind dann sozusagen, wie man das von Filmpreisverleihungen her kennt, nominiert. Unter Nominierungen wiederum werden im Oktober 2007 diejenigen ausgewählt, die tatsächlich gefördert werden.

Kritik an Rektor

Darüber hinaus hat die RWTH ihr in der ersten Runde gescheitertes Konzept für die 3. Förderlinie („Elite”-Uni) überarbeitet. Worum es dabei geht, soll offenbar noch Geheimnis der Hochschulleitung bleiben. Jedenfalls dringt kein Wort nach draußen. Das dürfte auch daran liegen, dass Inhalt und Präsentation des gescheiterten Vorjahrskonzepts („Von der Idee heute bis zum Produkt von morgen”) zu einer heftigen internen Kritik an Rektor Burkhard Rauhut geführt hatten.

Insgesamt 70 Unis haben für die zweite Runde skizzierte Anträge für 133 Graduiertenschulen und 144 Exzellenzcluster eingereicht. Die Vorauswahl wird morgen nur noch rund ein Viertel der Bewerber übrig lassen. Am Ende der ersten Runde waren 18 Schulen und 17 Cluster anerkannt worden. Nach Abschluss des gesamten Wettbewerbs es jeweils etwa doppelt so viele sein. Für die 3. Förderlinie bewerben sich jetzt 27 Hochschulen. Davon dürfte morgen etwa die Hälfte übrig bleiben. Maximal zehn „Elite”-Unis soll es am Ende insgesamt geben. In der ersten Runde erreichten nur die LMU München, TU München und die TH Karlsruhe die höchste Stufe. Die knappen Entscheidungen hatten zu einer - inzwischen verhallten - Kritik am Auswahlverfahren geführt.

„In allen drei Linien erfolgreich”, meldete die RWTH, nachdem sie vor einem Jahr locker die erste Hürde der ersten Runde genommen hatte. Dieser Erfolg könnte sich jetzt durchaus wiederholen. Wirklich spannend aber wird es, wie im Vorjahr, erst im Oktober. Dass es dann wieder nicht zur „Elite”-Uni reichen könnte, möchte sich jetzt noch niemand ausmalen.

Noch eine Milliarde Euro zu vergeben:

Die „Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen”, wie der Wettbewerb um die deutschen Spitzenuniversitäten offiziell heißt, war am 23. Juni 2005 in der Bund-Länder-Konferenz nach anderthalbjährigem politischem Streit vereinbart worden.

Für den in zwei Runden ausgetragenen Wettbewerb stellen Bund und Länder zusammen 1,9 Milliarden Euro bereit, um die erfolgreichen Projekte jeweils fünf Jahre lang zu fördern. Mit der im Oktober 2006 abgeschlossenen ersten Förderunde von 2007 bis 2011 wurden 873,5 Milliarden Euro vergeben.

Ausgerichtet wird der Wettbewerb von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat (WR). Über die Endauswahl entscheidet eine international besetzte Jury.