Aachen: Exzellente Technik: Kirill Korsunenko in der Reihe Aix Piano

Aachen : Exzellente Technik: Kirill Korsunenko in der Reihe Aix Piano

Mit dem jungen ukrainischen Pianisten Kirill Korsunenko stellte sich eine eigenwillige Künstlerpersönlichkeit in der exklusiven Reihe Aix Piano im Kammermusiksaal der Musikhochschule in Aachen vor.

Schon die Programmgestaltung verriet einiges über das künstlerische Profil dieses jungen Mannes aus der Klavierklasse von Prof. Andreas Frölich, stellte er doch einem klassischen ersten Teil mit Werken von Haydn und Beethoven einen äußerst avancierten zweiten Teil gegenüber, der mit der geradezu verstörenden Sonate Nr. 5 der Schostakowitsch-Schülerin Galina Ustvolskaja das überschaubare Publikum geradezu schockierte, um es dann mit einer Sonate von Alexander Skrjabin wieder zu versöhnen.

Dabei wurde allzu deutlich, dass die Stärken des 26-Jährigen sich vor allem im zweiten Teil zeigten. Korsunenko verfügt über eine exzellente Spieltechnik, die keine noch so hohen Anforderungen zu fürchten braucht. Die zeigte sich vor allem bei der ausgezeichneten Wiedergabe der 10. Skjabin-Sonate, einem klanglich hell timbrierten, von ekstatischer Freude erfüllten, von langen Trillern dominierten Stück, bei dem es Korsunenko gelang, die stark aufgesplitterte Struktur zu einem Ganzen zu formen und auch die versteckte Polyphonie hörbar zu machen.

Das war eine ebenso starke interpretatorische Leistung wie die Wiedergabe der Sonate von Galina Ustvolskaja, die in ihrer brutalen klanglichen Textur und ausdrucksmäßigen Kompromisslosigkeit wenig Vergleiche zulässt. Als dichte Cluster mit äußerster Kraft gehämmerte Ostinati — nahezu statische Klänge ohne nachzuvollziehende strukturelle Entwicklungen — wechseln ab mit kurzen zarten Abschnitten, die den Kontrast zu den Brutalismen nur verstärken. Dabei blieb Korsunenko sich und dem Publikum nichts schuldig.

Dagegen ist die filigrane Klaviermusik eines Joseph Haydn seine Sache noch nicht. Bei der Wiedergabe der zugegebenermaßen interpretatorisch heiklen Sonate Nr. 33 c-Moll leistet sich der junge Pianist sehr willkürliche Tempomodifikationen, die die Struktur vor allem des ersten Satzes zerstören. Das benötigt bei allen Verzierungen einen vernehmbaren durchgehenden Puls, wenn nicht die gesamte kunstvolle Konstruktion darunter leiden soll.

Beethovens Waldstein-Sonate, der Korsunenko das ursprünglich als langsamen Satz der Sonate gedachte Andante favori voranstellt, erklang in einer technisch souveränen, klanglich jedoch wenig erwärmenden Wiedergabe, die allzu sehr auf dynamische Kontraste angelegt war. Als Zugabe spielte Korsunenko ein Stück von Philip Glass und eine Eigenkomposition.

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