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Aachen: Expedition zu einem schaurig-schönen Ort

Aachen : Expedition zu einem schaurig-schönen Ort

Vogelsang? Da denkt man an die NS-Zeit, an das belgische Militär und die Schwierigkeit, ein historisch belastetes Gelände angemessen zu nutzen. Der renommierte Aachener Fotograf Andreas Magdanz ist faziniert von dieser Gemengelage. Vor allem jedoch ist er fasziniert von der Lage der ehemaligen NS-Ordensburg: mitten in der einzigartigen Natur der Eifel.

Seit Jahren schon hat sich der 1963 geborene Magdanz, der bei Wilhelm Schürmann in Aachen studiert hat, mit Vogelsang beschäftigt. Ein Thema, das seinem Faible für abgeschlossene Räume entgegenkommt.

Er hat bereits den ehemaligen Regierungsbunker Marienthal im Ahrtal bei Bonn fotografiert, er hat im KZ Auschwitz gearbeitet und den BND-Standort Pullach dokumentiert. Die Fotos aus dem Inneren des Bundesnachrichtendienstes sind demnächst in New York und im Ludwig Forum Aachen zu sehen.

Nun also Vogelsang. Ein Buchprojekt soll es werden, spätere Ausstellung nicht ausgeschlossen. Die NRW Kulturstiftung fördert das Projekt mit 40.000 Euro, den Rest finanziert Magdanz selbst. Die Arbeit hat er bereits 2004 begonnen.

Acht Monate streifte er mit offizieller Erlaubnis durch das Sperrgebiet, fotografierte Manöver und Übungen, die Burg, das Schwimmbad und das von den Belgiern errichtete Kino sowie die verlassene Ortschaft Wollseifen, von der nur noch Ruinen neben Rohbauten stehen, die zum Training des Häuserkampfes genutzt wurden. Denn für Magdanz macht gerade die militärische Nutzung durch die Belgier die „historische Essenz” des Geländes aus.

Ende des Jahres will der Fotograf wieder regelmäßig in der Eifel („Ich liebe diese Landschaft”) sein, ausgerüstet mit Kamera, Objektiven und Stativen. Sein Ziel ist nicht weniger als eine umfassende Bilddokumentation von Vogelsang mit dem Mittel der Großbildfotografie. Seine Arbeit will er in drei Blöcke gliedern: Natur, Architektur und Militär.

Wobei ihm die Natur besonders am Herzen liegt - ihre Schönheit, aber auch die weitreichenden Verletzungen und Eingriffe. Und nicht zuletzt ihre Instrumentalisierung durch die NS-Ideologie. Wie lange er für die fotografische Dokumentation benötigen wird, weiß Magdanz nicht. Das Projekt könne nur gelingen, wenn er sich komplett darauf einlasse. Denn: „Qualität braucht Zeit”.