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"Euro macht das Leben 15 teurer"

"Euro macht das Leben 15 teurer"

Heinsberg (an-o) - Als Hans Aufsfeld wie jeden November den neuen Küchenkalender kaufte, traf ihn an der Kasse "fast der Schlag": ein Euro statt einer Mark war fällig. Zwar seien nicht alle Preise gesteigen, doch der 61-Jährige stellt fest: "Der Euro macht das Leben 15 Prozent teurer - mindestens."

Und der pensionierte Postbeamte aus Heinsberg-Schafhausen beobachtet die Entwicklung genau, führt er doch seit Jahren mit seiner Frau Christa (56) ein Haushaltsbuch. Und zwar wie 300 andere Familien im Auftrag des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) in Düsseldorf. Das genaue Auflisten, wieviel für welche Waren ausgegeben wurde, "hat bei uns seit Beginn zu mehr Ausgabendisziplin geführt", schildert Christa Aufsfeld ihre Erfahrungen. Eine Konsequenz war auch das Stöbern nach Sonderangeboten, das mit dem Euro noch intensiver geschieht.

Markentreue gesunken

Aber auch da ist Vorsicht angebracht, wie die Beiden wissen: "Selbst wenn unser Lieblings-Kaffee hier im Sonderangebot ist, ist er nicht so billig wie auf der niederländischen Seite von Rothenbach." Anderes Beispiel: Für den Herrn des Hauses sollte es ein Marken-Rasierschaum aus einem Sonderangebot sein. "Glücklicherweise war der Posten vergriffen, im Drogeriemarkt nebenan war die Hausmarke zwölf Prozent billiger."

Die unbedingte Markentreue hat auch im Bekanntenkreis abgenommen. Hans Aufsfeld hat beobachtet: "In den meisten Fällen läuft die Kaufentscheidung jetzt über den Preis. Viele kaufen eben fast nur noch in Billig-Geschäften ein." Nur Anfang des Jahres habe es eine gewisse Sorglosigkeit im Umgang mit der neuen Währung gegeben: "Trinkgelder flossen reichlich und auch die Kollekte fiel üppiger als gewohnt aus", weiß Aufsfeld, der im Kirchenvorstand tätig ist.

Preise und günstige Einkaufsquellen sind jetzt auch oft Thema bei seinem Stammtisch. Genau umgerechnet worden sind, so hat die Runde festgestellt, nur wenige Dinge wie Gebäudeversicherung, Abschlagszahlungen für Gas und Strom oder die Lebensversicherung. Aber vieles ist teurer geworden. Das Bier zum Herunterspülen des Teuro-Ärgers zum Beispiel kostet 1,10 Euro statt vorher zwei Mark. "Das geht so gerade noch, weil wir uns nur einmal im Monat treffen", meint der Pensionär. Direkt gibt aber seine Frau zu bedenken: "Bei unserem Kegelabend sind für ein Wasser schon 1,30 Euro fällig." Eine Bekannte von ihr hat zwei getrennte Geldbörsen - eine für ihre persönlichen Ausgaben, eine für den Haushalt. Letztere ist pro Woche mit 100 Euro bestückt, oft müssen aber zehn bis 20 Euro nachgeschossen werden, weil der Betrag sonst nicht reicht.

Benzinpreis-Beobachtung

Weil er ihn täglich vor Augen hat, regt Hans Aufsfeld besonders der Benzinpreis auf. Der wird bei jeder Fahrt genau beobachtet. Fällt er dann doch mal, wird sofort getankt. Richtig Freude macht das Tanken aber nur, wenn die Schafhausener ihre Freunde in Luxemburg besuchen: "Da ist das Benzin mindestens 20 Cent pro Liter billiger als hier." Ins niederländische Eygelshoven geht es, wenn Christa Aufsfeld am Markttag ihre heiß geliebten Ananas einkauft - manchmal sogar kistenweise, weilÔs noch preiswerter als einzeln ist und Nachbarn mit versorgt werden.

Ein Posten fällt übrigens günstiger aus als zu D-Mark-Zeiten: Vierteljährlich überweist das Landesamt für Statistik jetzt 33 Euro statt früher 60 Mark.


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