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Euregiobahn: Jedes Jahr einen Schritt

Euregiobahn: Jedes Jahr einen Schritt

Eschweiler/Stolberg/Alsdorf. Der Zug kommt: Im Sommer wird die zweite Ausbaustufe der Euregiobahn ihren Betrieb aufnehmen. Das gibt dem ambitionierten Projekt Rückenwind, das zur Jahrhundertwende mit viel Dampf gestartet war, das aber zwischenzeitlich auch schon vor dem Aus stand.

Wann der erste Talent-Triebwagen auf der sanierten Strecke zwischen Stolberg, Eschweiler Talbahnhof und Weisweiler fahren wird, ist noch nicht klar: Der Prokurist des Streckenbetreibers Euregio-Verkehrsschienennetz (EVS), Frank Weindorf, nennt Ende Juni als mögliches Datum.

Der Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), Hans Joachim Sistenich, geht eher von August aus. Die EVS will mit dem Umbau der Strecke bis Ende Mai fertig sein, dann muss aber noch die Sicherheitstechnik am Stolberger Hauptbahnhof umgerüstet werden.

Großes Tamtam

Der erste Zug der Euregiobahn fuhr am 9. Juni 2001 auf der sanierten Strecke zwischen Stolberg-Hauptbahnhof und Stolberg-Altstadt. Die Wiedereröffnung wurde mit großen Tamtam gefeiert. Und es gab große Pläne: Bis 2002 nach Langerwehe, bis 2003 nach Alsdorf, bis 2005 zum Aachener Bushof. Es wurde munter weiter gesponnen: Sanierung der Vennbahn, Neubau einer Strecke durch das Gewerbegebiet Avantis, Gründung eines euregionalen Netzes zwischen Aachen, Maastricht und Lüttich.

Die Kürzung der Fördermittel durch Bund und Land hat den Ausbau des Euregiobahnnetzes gebremst, aber für Hans Joachim Sistenich steht fest, dass das Konzept umgesetzt werden soll, wenn auch zeitlich gestreckt: „Wir wollen jedes Jahr einen Schritt nach vorne machen.”

Im Sommer 2004 werden die Züge bis Weisweiler fahren, im Dezember 2004 soll die Strecke von Herzogenrath nach Merkstein wieder in Betrieb genommen werden. Die EVS bringt die Strecke gerade auf Vordermann, und das weckt große Erwartungen. Frank Weindorf erzählt: „Als wir nur die Schranken probeweise hoch und runter gelassen haben, sind die Leute gleich gucken gekommen. Die wollen ihre Bahn wieder haben.”

Bis 2007 sollen nach den Plänen des AVV folgende Strecken bedient werden: Aachen - Heerlen - Maastricht/Sittard, Aachen - Herzogenrath - Alsdorf, Aachen - Stolberg - Eschweiler Talbahnhof - Langerwehe - Düren - Jülich - Linnich.

Ausbau auf Eis

Der Ausbau für den Abschnitt Weisweiler - Langerwehe liegt derzeit auf Eis. Die Planungen für die 2,4 Kilometer lange Strecke sind abgeschlossen, noch fehlt aber das Geld. hans Joachim Sistenich hat allerdings einen Plan, wie er die nötigen 10 bis 12 Millionen Euro zusammenbekommt. Etwa 7 Millionen Euro sollen aus Mitteln stammen, die der AVV gegenüber der DB Regio einbehalten hat.Weitere 2 Millionen Euro soll der Regionalrat zahlen, der Rest muss noch hereingeholt werden.

Sistenich nutzte die Chance, den Verkehrsexperten der Landes-SPD, die in dieser Woche auf Besichtigungstour im Kreis Aachen waren, das Anliegen des AVV näher zu bringen. Gerd Wirth, der stellvertretende Vorsitzende und verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, lobte im Gespräch mit den „Nachrichten” dann auch den vorbildhaften Charakter des Euregiobahn-Projekts. Seine Fraktion habe ein „großes Interesse, das weiter zu fördern”.

Bis dahin muss aber eine neue Signal- und Sicherheitstechnik im Stellwerk des Stolberger Hauptbahnhofs gebaut werden. Die EVS sieht die DB Netz in dieser Sache am Zug, die Deutsche Bahn hingegen verweist auf die Zuständigkeit des Betreibers, also der EVS. Der stellvertretende Pressesprecher des Konzerns in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Kugelmann, sagte im Gespräch mit den „Nachrichten”, für den Ausbau der Strecke bis Langerwehe müsse die Signaltechnik angepasst werden, auf Kosten der EVS. Kugelmann sagte aber: „Wir sind immer bereit, uns an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu finden.”

Probleme in Düren

Dann gehen die Probleme aber weiter: Der Abschnitt von Langerwehe nach Düren ist total überlastet, der Bau eines dritten Gleises nach der Ansicht von Hans Joachim Sistenich dringend vonnöten. Aber auf die DB Netz ist der AVV-Geschäftsführer sowieso nicht gut zu sprechen. Eine „Schandtat” sei es gewesen, das Nordgleis im Dürener Hauptbahnhof abzuklemmen. Diesen Anschluss benötigt die Euregiobahn dringend, denn die Züge sollen spätestens 2007 von Langerwehe kommend über Düren nach Linnich fahren. Das ist nach dem Abbau der Weiche auf das Nordgleis nur mit größter Mühe möglich.

Nächsten Freitag werden die Weichen für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen gestellt. Dann setzen sich die Geschäftsführer der Zweckverbände in zusammen, um den Finanzierungsplan 2004 für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) abschließend zu beraten. „Damit sind die Grundstrukturen gesichert”, so Hans Joachim Sistenich, „dann können wir den Ausbau wie geplant fortführen”.