1. Kultur

Berlin: EU plant Verfallsdatum für Führerschein

Berlin : EU plant Verfallsdatum für Führerschein

Was hat schon ewig Gültigkeit? Der Führerschein auf alle Fälle. Ob mit 18 oder mit 81 Jahren erworben, der „Lappen” gilt, wie immer sich auch die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Inhabers im Laufe der Jahre entwickeln. So war es jedenfalls bisher.

Aber so wird es nicht bleiben, denn die Europäische Union hat mit den Lizenzen der derzeit rund 200 Millionen Autofahrer in Europa einiges vor - womöglich gibt es bald den Führerschein mit Verfallsdatum.

Der Vorschlag ist ins parlamentarische Verfahren eingebracht: Wer künftig eine Fahrprüfung macht, soll nicht nur einen einheitlichen, betrugssicheren EU-Plastikführerschein Marke Kreditkarte bekommen, auf dem ein Mikrochip integriert ist. Wie in den USA oder in Japan wird die Fahrerlaubnis dank der Eurokraten dann auf Zeit vergeben.

Viel Kritik

Vorgesehen ist, dass jeder Inhaber nach zehn Jahren sein Führerscheinfoto erneuern lassen muss, damit er auch tatsächlich identifiziert werden kann. Die Fahrerlaubnis selbst bleibt weiter bestehen. Stärker will die EU-Kommission ältere Fahrer in die Mangel nehmen: Wer über 65 Jahre alt ist, soll künftig schon alle fünf Jahre zum Amt und muss sich einem Pflicht-Sehtest, einem Gesundheitscheck oder sogar einer Nachschulung unterziehen.

Danach wird über die Verlängerung der Lizenz behördlich entschieden. Manch einer will sogar noch schärfer zur Sache gehen: Einige EU-Politiker, heißt es in Brüssel, halten die Auflagen schon bei Fahrern ab 45 Jahren für sinnvoll, andere plädieren für ihre „grundsätzliche Einführung”. Sobald die neuen Regelungen in Kraft treten (ein mögliches Datum ist noch offen), sollen aber auf alle Fälle die bisher in Umlauf befindlichen Führerscheine nur noch begrenzte Gültigkeit haben.

80 verschiedene Modelle in der EU

Dadurch hofft die Kommission, mittelfristig den EU-weit 80 verschiedenen Modellen den Garaus machen zu können. Kritik hagelt es von allen Seiten. Der ADAC schimpft, die Brüsseler Pläne seien „die übliche bürokratische Erschwernis” und würden den Autofahrer nur jede Menge Geld kosten. In Berlin will man keinen Ärger mit den Autofahrern und ihrer mächtigen Lobby. Daher werde das Thema lieber „politisch auf kleiner Flamme” gehalten. Zumal die endgültige Ausgestaltung der Richtlinie in der Tat noch unsicher ist.