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Aachen: Es wird keine Einheitsrente geben

Aachen : Es wird keine Einheitsrente geben

Wie sicher sind die Renten noch? Nicht nur in Wahlkampfzeiten beschäftigt das Thema Politiker und Bürger - alte wie junge. Heinz Stapf-Finé, Abteilungsleiter Sozialpolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund, beantwortet dazu Fragen unseres Redakteurs Karl-Peter Hermanns.

Auf die Frage, ob es auf absehbare Sicht nur noch eine Einheitsrente geben wird, antwortete Stapf-Finé: „Nein. Das verhindert schon allein das Grundgesetz. Aber wenn das Rentenniveau immer weiter abgesenkt wird, erreichen immer weniger Menschen Renten oberhalb der Grundsicherung. Deshalb lehnen wir weitere Rentenkürzungen kategorisch ab.”






















Sollten alle, auch Beamte, Selbstständige und Freiberufler, in die Rentenversicherung aufgenommen werden?Stapf-Finé: Eine Erweiterung des Versichertenkreises würde für längere Zeit zu stabilen oder sogar sinkenden Beiträgen führen. Auch die Akzeptanz der Rentenversicherung in der Bevölkerung würde zunehmen. Als Erstes sollte sich der Staat um die Selbstständigen kümmern, die bislang nicht ausreichend abgesichert sind bzw. sich nicht ausreichend absichern konnten. Langfristig sollte die gesetzliche Rentenversicherung dann wirklich zu einer Erwerbstätigenversicherung, in der alle abgesichert sind und zu der alle ihren solidarischen Beitrag leisten, ausgebaut werden.

Sollte die Kinderkomponente ausgebaut werden?Stapf-Finé: Schon heute honoriert die gesetzliche Rentenversicherung in hohem Maße die Kindererziehung. Für alle ab 1992 geborenen Kinder gibt es Anwartschaften, so genannte Kindererziehungszeiten, im Gegenwert von ca. 78 Euro Rente im Monat. Dazu kommen noch die Kinderberücksichtigungszeiten, durch die niedrige Einkommen von Erziehenden aufgewertet werden. Sinnvoll wäre, die Kindererziehungszeiten für die vor 1992 geborenen Kinder auszuweiten. Für diese Kinder gibt es bislang nur einen Entgeltpunkt, das heißt eine Anerkennung in Form einer Rente in Höhe von 26,13 Euro. Das trifft eine Generation von Frauen, die ohnehin vergleichsweise geringe Rentenansprüche haben.

Was wir ablehnen, sind Beitragsermäßigungen für Eltern. Die helfen nur solchen, die Arbeitseinkommen beziehen. Zudem würde das zu einer Negativverzinsung der Beiträge der Kinderlosen führen, was das Verfassungsgericht nicht akzeptieren würde.

Im Vordergrund der Familienpolitik sollte aber stehen, die Bedingungen für Erziehende auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Wir brauchen gute und ausreichend viele Betreuungseinrichtungen, und wir brauchen Arbeitsplätze, die auf die besonderen Anforderungen von Erziehenden eingehen.

Welche Verzinsung seiner Beiträge hat ein heute 30-Jähriger zu erwarten?Stapf-Finé: Nach den seriösen Berechnungen der BfA wird ein Mann, der 2040 in Rente geht, noch mit einer Rendite in Höhe von ca. 3,2 Prozent rechnen können - das ist ungefähr ein Prozentpunkt weniger als derjenige bekommt, der 2004 in Rente gegangen ist. Frauen haben aufgrund der höheren Lebenserwartung eine bessere Rendite - beim Rentenzugang 2040 von 3,7 Prozent, beim Rentenzugang jetzt ungefähr 4,8 Prozent.