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Aachen: „Es ist etwas Heiliges, Teil der Musik zu sein”

Aachen : „Es ist etwas Heiliges, Teil der Musik zu sein”

Die Sopranistin Anna Maria Kaufmann ist auf den Bühnen dieser Welt zu Hause.

An der Seite von Peter Hofmann sang sie die „Christine” im „Phantom der Oper”, sie ist „Evita”, aber auch „Violetta” in Verdis „La Traviata” oder die „Adele” in Johann Strauß „Fledermaus”.

Beim 1. Sinfoniekonzert im Aachener Eurogress wird sie am Mittwoch und am Donnerstag unter der Leitung von Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch den Gesangspart in Kurt Weills „Die sieben Todsünden” übernehmen.

„Ich komme aus der Prärie”, lacht Anna Maria Kaufmann. „Da ist man bescheidener. Das hat sicherlich auch meine Träume beeinflusst.” Die kanadische Sängerin, die beim 1. Sinfoniekonzert unter der Leitung von GMD Marcus R. Bosch Kurt Weills „Die sieben Todsünden” singen wird, ist selbst sehr gespannt auf diesen Abend.

„Das Stück habe ich immer bewundert, aber noch nie gesungen, das ist für mich eine absolute Premiere, und ich könnte es mir auch getanzt vorstellen.”

Wieder ein Wunsch, der in Erfüllung geht? Die Sopranistin mit klassischer Gesangs- und Tanzausbildung lebt und arbeitet aus einem Gefühl großer Dankbarkeit und tiefen Glaubens.

„Es ist ein Traum, dass ich lebe und dass ich eine solche Stimme erhalten habe”, sagt sie mit Nachdruck. „Ich tue alles, um diese Gabe zu pflegen und weiter auszubilden, ich höre nie mit dem Lernen auf.”

Mit Star-Tenor Peter Hofmann und dem Musical „Phantom der Oper” nahm Anna Maria Kaufmanns Karriere ihren Aufschwung. „Ich hätte damals nie gedacht, dass ich die erste Christine sein könnte, aber in dem Moment stimmte wieder einmal alles: Ich war ausgebildet, ich war bereit, und ich hatte die Kraft.”

Mit dem inzwischen an der Parkinsonschen Krankheit leidenden Kollegen hat sie weiterhin Kontakt. „Er ist sehr tapfer, macht allen Mut und wird immer noch von einer großen Fangemeinde umringt”, erzählt sie.

Ob Musical, Oper oder Operette - für sie gibt es zwar Unterschiede in der Technik, aber nicht in der Wertigkeit. „Ich kann es gar nicht vertragen, wenn Opernsänger auf die Operette herabschauen. Partien wie etwa die Adele in der ,Fledermaus sind unwahrscheinlich anspruchsvoll.”

Gerade diese Rolle, die Anna Maria Kaufmann im Rahmen einer Tournee der Münchner Opernbühne wochenlang gesungen hatte, war für sie das beste „Training”.

Und noch ein Kindheitstraum hat sich erfüllt: „Ich habe immer die Sänger bestaunt, die vor großen Fußballspielen die Nationalhymne im Stadion sangen, das fand ich ungeheuer aufregend.”

Und plötzlich war sie es, die vor Tausenden im Stadion und vor einem Millionenpublikum an den Fernsehern 1994 zum Fußballspiel Kanada - Deutschland die Hymnen in Toronto sang, später dann sogar für England, Argentinien und Amerika.

„Für die argentinische Hymne habe ich sogar Sprachunterricht genommen”, erzählt sie. „Eine gute Vorbereitung für meine Rolle als ,Evita, die ich kurz darauf übernahm.”

Bei allem Erfolg gibt es nicht nur Höhepunkte im Künstlerdasein. „Nach den Auftritten kann man sehr allein sein, man hat alles gegeben, ist im Moment fast leer”, gesteht sie.

Doch dann ist sie wieder beglückt - zum Beispiel von den Reaktionen ihrer Fans. „Wenn man Menschen durch die Musik Mut machen kann, ist das wunderbar. Man wird zum Teil der Musik, das ist etwas Heiliges.”

Wenn das Aachener Konzert absolviert ist, wird sie sich auf weihnachtliche Lieder und Arien konzentrieren. „Ich unternehme eine Tournee mit Dagmar Berghoff durch 18 Orte. Sie erzählt, ich singe”, verrät die Sopranistin.

Dann gibt es CD-Aufnahmen mit Mischungen aus allen Musik-Genres bis hin zu Kompositionen, die man ihr gewidmet hat.

Und zum 50. Todestag von Komponist Emmerich Kálmán sind in München weitere Konzerte geplant. Wieder ein Projekt, dem sie mit Spannung entgegensieht.

1. Sinfoniekonzert und „Après le Concert”

„Aufbruch” lautet das Motto des 1. Sinfoniekonzertes, das am Mittwoch und am Donnerstag, 20 Uhr, im Eurogress stattfindet.

Auf dem Programm stehen Gustav Mahlers 1. Symphonie und Kurt Weills „Die sieben Todsünden”, das er 1933 in Zusammenarbeit mit Berthold Brecht komponierte.

Im Anschluss an das Konzert gibt es die Möglichkeit, bei „Après le Concert” in der Brasserie des Quellenhofs mit den ausführenden Künstlern gegen Vorlage der Konzertkarte für 15 Euro bei einem leichten Gericht und einem Glas Wein zusammen zu kommen.

Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung oder unter 0241/4784244.