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Aachen: „Es ist ein Krimi aus der Realität”

Aachen : „Es ist ein Krimi aus der Realität”

Frank Farian ist nicht einfach nur sauer.

Der einstige Schlagersänger und heute noch immer sehr aktive Produzent (62), „Vater” unter anderem der Formationen „Boney M” und „Milli Vanilli”, mit denen er Popgeschichte schrieb, Verkaufsrekorde mit Gold-, Platin- und Diamant-LPs feierte, blieb trotz gelegentlicher Turbulenzen eine feste Größe auf dem Musikmarkt.

Er wusste irgendwann, dass er dem Zorn über umstrittene Veröffentlichungen Dieter Bohlens wie „Hinter den Kulissen” und „Nichts als die Wahrheit” mit Geschichten über Branchenkollegen, Frauen, sich selbst Stars und Sternchen, die zum Teil heftig unter die Gürtellinie gehen, eine klare und unangreifbare Form geben musste. „Es ging einfach nicht anders, nur den Kopf schütteln reicht da nicht”, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Verkaufsschlager

Gerade ist sein Anti-Bohlen-Buch „Stupid dieser Bohlen” erschienen. In nur einer Woche, so erzählt er begeistert, wurden 50.000 Exemplare verkauft, die zweite Auflage ist in Vorbereitung. „Wir sind bei den Focus- und Spiegel-Bestsellerlisten ganz oben, ein Zeichen, wie nötig das Buch war.”

Und Farian ist ganz ehrlich: „Ich habe erzählt, meine Mitautoren Dieter Kaltwasser und Reginald Rudorf haben geschrieben.” Der Untertitel „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit über den Pop-Hochstapler” soll provozieren, gleichfalls gepfefferte Kapitelüberschriften wie „Mein Freund, der Schuft” oder „Mit Bild im Puff”.

Was im Text folgt, sind zum Teil sogar philosophische Betrachtungen und psychologische Analysen. „Einerseits wollten wir bewusst Bohlens Sprache benutzen und ironisieren, uns andererseits nicht komplett auf sein Niveau begeben.”

Farians Ziel ist es, wie er es formuliert, „stellvertretend für zahlreiche denunzierte Künstler, intensiv Widerspruch einzulegen”. Seine Hoffnung war natürlich ein heftiger Protest von Bohlens Seite, wenn Farian & Co. das „System Dieter Bohlen”, den „geborgten Ruhm”, die unterschiedlichsten Spielarten des „Bluffs” bin hin zu den psychischen Verklemmungen, Ängsten und Psychosen analysieren.

„Still ruht der See, von Dieter kein Ton, von der Bild-Zeitung auch nicht. Das ist fast schon unheimlich.” Was Farian zudem erreichen wollte: „Ein lesbares Buch, einen Krimi aus der Realität.”

Deutliche Irritation formuliert er gegenüber dem Medien- und Entertainment-Unternehmen Bertelsmann, zu dem auch die RTL-Group und das Musikunternehmen BMG mit rund 200 Labels in 42 Ländern gehört.

„Man kann nicht das Motto ,Liebe öffnet Herzen pflegen und dann einen Dieter Bohlen als Jury-Mitglied in ,Deutschland sucht den Superstar pflegen”, so Farian, der immer wieder betont: „Ich habe die Familie Mohn stets bewundert, sowohl Reinhard Mohn wie auch seine Frau Liz und ihr soziales Engagement, aber hier bin ich enttäuscht.”

Gibt es noch Ehrlichkeit im Musikgeschäft? „Es ist mühsam”, gesteht der Produzent. „Das Internet war und ist für uns keine Segen.” Jetzt, wo er das Buch fertiggestellt hat, dessen kompletter Erlös übrigens der der „Stiftung zur Förderung der Nordoff/Robbins Musiktherapie für autistische Kinder” zufließt, ist für Farian die „Affäre Bohlen” abgeschlossen.

„Ich gehe wieder nach Miami, wo ich lebe und ein Label aufbaue, bereite das Jubiläum ,30 Jahre Boney M vor und den Film über Milli Vanilli, der 2006/2007 ins Kino kommt.” Und Bohlen? „Er bleibt ein Angsthase. Für mich ist die Sache abgeschlossen.”

Frank Farian: Stupid dieser Bohlen. 370 Seiten, Franks kleiner Buchverlag, 12,80 Euro

ISBN: 3-9809531-0-6