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Aachen: Es geht wieder aufwärts mit dem Bachverein

Aachen : Es geht wieder aufwärts mit dem Bachverein

„Am Ende der Zeiten”: Das apokalyptisch-düstere Motto der diesjährigen Bachtage will zwar nicht so recht zum sanften, tröstlichen „Deutschen Requiem” von Johannes Brahms passen.

Dem Erfolg der in jeder Hinsicht beeindruckenden Aufführung unter Leitung von Georg Hage in der vollbesetzten Kirche St. Michael kann dieser Einwand allerdings nichts anhaben. Vor allem nicht in der klugen und direkten Konfrontation des Chorwerks mit Max Regers genialem Tongemälde zu Böcklins „Toteninsel”, das als Auftakt ein wenig Endzeitstimmung verbreitete.

Hier fällt bereits Hages geschickter Umgang mit dem Orchester auf, was man längst nicht von jedem Kirchenkonzert sagen kann. Trotz knapper Probenzeiten weist der gesamte Abend mit Hilfe des Sinfonieorchesters Aachen ein erfreulich hohes orchestrales Niveau auf, was nicht zuletzt an den klaren Vorstellungen des Dirigenten liegen dürfte.

Auch wenn das „Requiem” als Liebeserklärung an Brahms verstorbene Mutter vor allem milde, trostspendende Töne anschlägt und auf ein zorniges, angsteinflößendes „Dies Irae” ganz verzichtet, interpretiert Hage die sieben Teile mit ernsthafter Strenge. Keine noch so zarte Gesangslinie verliert sich in unverbindlicher Anmut. Der Respekt vor der Macht des Todes bleibt in jedem Takt spürbar.

Das betrifft auch die lyrischen Höhepunkte wie das von Gabriele Hierdeis glockenklar und beseelt gestaltete Solo mit der zentralen Botschaft: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet”. Die wenigen dynamischen Forte-Einschläge, etwa im zweiten Teil („Denn alles Fleisch, es ist wie Gras”), arbeitet Hage druckvoll, aber nie lärmend aus. Dafür sorgt auch der markant und kultiviert agierende Bariton Markus Flaig.

Ein Erfolg, die ohne exzellente Chorarbeit nicht denkbar wäre. Und Hage ist auf dem besten Wege, den Chor des Bachvereins zu einem ausgewogenen, homogenen Großensemble zusammenzuschweißen. Das betrifft sogar das heikle Verhältnis zwischen Frauen- und Männerstimmen, das hier nur eine marginale Rolle spielt. Insgesamt hat der Chor an Intonationsreinheit, Textverständlichkeit und Lebendigkeit hinzugewonnen.

Lediglich einige schrille Spitzentöne im Sopran fallen unangenehm auf. Viel Beifall für einen großen Abend, der zeigt, dass es mit dem traditionsreichen Aachener Bachverein aufwärts geht.