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Berlin: „Es gab Wildwuchs, Misswirtschaft und Chaos”

Berlin : „Es gab Wildwuchs, Misswirtschaft und Chaos”

„Sechzehn Länder - eine Kulturnation” - dieses Motto der 1987 gegründeten Kulturstiftung der Länder steht auf einem imposanten Fundament.

Denn man hat es sich zum Ziel gesetzt, unter andererm alle Ministerien, die beim Bund und bei den Ländern mit Kulturaufgaben beschäftigt sind, zu vernetzen, als Förderer und Vermittler in Aktion zu treten.

Wie wirken sich in diesem sensiblen Bereich die chronisch leeren Kassen und Sparzwänge in der Kultur aus?

Für Generalsekretärin Karin van Welck, die am 13. Februar, 19 Uhr, beim AZ-Forum „Kultur! Warum?” im Aachener Ludwig-Forum Talk-Gast unserer Zeitung sein wird, eine tägliche Herausforderung. Wir fragten nach.

„Kultur ist keine Zutat, Kultur ist der Sauerstoff der Nation” - den klugen Worten des großen Theatermannes August Everding fühlt sich Karin van Welck, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, gerade jetzt verpflichtet.

Der Rotstift regiert angesichts leerer Kassen in Ländern und Kommunen. Häufig sind es kulturelle Bereiche, denen schmerzhafte Sparverpflichtungen auferlegt werden.

Wird der „Sauerstoff der Nation” geringer? Kann eine Kulturstiftung in dieser Situation helfen? Mit jeweils 8,5 Millionen Euro finanzieren die Länder und der Bund die Stiftung, in deren Rahmen sich 1999 nun auch ein Freundeskreis mit Persönlichkeiten aus Industrie, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft etabliert hat.

Ist es schwieriger geworden Kunst- und Kulturvorhaben zu fördern? „Bei uns werden alle Projekte, für die man Anträge stellt, auf Herz und Nieren geprüft”, berichtet Karin van Welck. „Da gelingt es uns nicht selten als Vermittler anderweitige Finanziers zu finden, denn unsere Empfehlung gilt als Gütesiegel.”

Gestiegene Preise - unter anderem auf dem Kunstmarkt - zwingen auch die Kulturstiftung dazu, verstärkt Drittmittel zu erschließen. „Die Banken, Sparkassen und Versicherungen einer Region sind wichtige Partner”, betont sie.

So arbeitet man zur Zeit gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen und dem Kulturkreis der Deutschen Industrie an einem „Informationszentrum Kulturförderung”. Ziel ist der verschärfte „Blick über den Tellerrand” regionaler Möglichkeiten.

„Es wird ein Internet-Portal aufgebaut, das wesentlich effektiver genutzt werden kann, als die üblichen Handbücher”, versichert die Generalsekretärin. Vorbild ist für sie und ihr Team das Foundation Center New York.

Der Stiftungszweck, die „Bewahrung von Kunst und Kultur nationalen Ranges”, wird immer noch sorgfältig gepflegt. „Wir führen viele persönliche Gespräche, konzentrieren uns auf Einzelfälle.”

Da gibt es kuriose Anträge wie die Untersuchung eines Meteoriten, der in bayerischem Boden gefunden wurde, aber auch den Erhalt von Exemplaren einer antiquarisch aufgetauchten Schülerzeitschrift, zu deren Autoren Bert Brecht gehört.

Die Debatte um Sparzwänge sieht Karin van Welck mit vorsichtiger Distanz: „Es gab in manchem Bereich regelrechten Wildwuchs, Misswirtschaft und Chaos, da schmerzen natürlich jetzt die notwendigen Veränderung”, gibt sie zu bedenken.

Seit vier Jahren ist Karin van Welck nun bereits im Amt als Generalsekretärin - und noch immer findet sie Anknüpfungspunkte zu ihrem Studienfach „Ethnologie”, das sie unter anderem an das Rautenstrauch-Joest-Museum geführt hat: „Männerbünde - Männerbande”, war Titel einer von ihr betreuten Ausstellung. „Das Wissen hilft mir auch jetzt noch im Dschungel der Politik...”