„Er ist wieder da“ im Das Da : Es darf gelacht werden – klappt aber nicht immer

„Er ist wieder da“ im Das Da : Es darf gelacht werden – klappt aber nicht immer

Wie wird man eigentlich zum Mitläufer? In der Theaterfassung von „Er ist wieder da“ nach dem Buch von Timur Vermes, das jetzt eine umjubelte Aachener Erstaufführung im Das Da Theater feierte, ist das gut zu besichtigen.

„Er“, Adolf Hitler, erwacht nach 73-jähriger Ohnmacht leicht derangiert genau am Holocaust-Denkmal in Berlin wieder auf. Und so absurd und aberwitzig die ganze Situation anfangs erscheint, so logisch scheint die Konsequenz am Ende zu sein: Hitler elektrisiert die Massen (in verschiedenen Rollen Felix Freund, Maciej Bittner, Regina Winter, Tine Scheibe, Mehdi Salim und Anke Jansen), die ohne mit der Wimper zu zucken die verbotene erste Strophe des Deutschlandliedes nicht nur singen, sondern regelrecht schmettern.

Dabei macht er niemandem etwas vor. Er nutzt die gleiche Sprache wie zwischen 1933 und 1945 und verfolgt die gleichen Ziele – nur eben mit modernen Mitteln. Seine E-Mail-Adresse beginnt mit „Neue Reichskanzlei“, sein Handy spielt den Wallkürenritt von Richard Wagner und kommuniziert wird via Youtube-Kanal.

Dass ihn eigentlich alle für eine äußerst gelungene Comedy-Kopie halten, der ständig voll in der Rolle zu sein scheint und deshalb auch unproblematisch „Mein Führer“ genannt werden kann, blendet er entweder aus oder lässt sich zumindest davon nicht aus dem Konzept bringen. Es bringt ihn auf jeden Fall ans Ziel. Alle Parteien – einschließlich den Grünen – wollen ihn schließlich als die Massen mobilisierende Figur in ihre Reihen lotsen.

Regisseur Tom Hirtz spart nicht mit drastischen Bildern. Vielleicht braucht es sie, um bei der Trump-isierung des Alltags noch Satire von Realität zu unterscheiden. Sie kommen einem aber leider als schon gar nicht mehr so überzogen vor.

Die feinen Bilder sind aber die, die hoffentlich länger im Gespräch bleiben und die das Lachen manchmal schwer möglich machen: Hitlers dramatisch schneller Aufstieg über die Berliner Denkmal-Stelen hinweg zum Beispiel. Anfangs zusammengesunken auf der kleinsten, kurze Zeit später im vollen Rampenlicht auf der größten stehend. Dorthin gelangt er auf dem kürzesten Weg. Die im Stück immer präsenten Stelen (Bühne: Frank Rommerskirchen), die zwar täglich an das unermessliche Verbrechen des Holocaust erinnern, aber so in den Alltag integriert werden, dass man das unermessliche Leid dahinter auch mal vergessen kann.

Klaus Beleczko spielt Hitler dabei trotz Mini-Schnäuzer und rollendem „R“-Akzent nicht als groteske Figur, sondern als zwar körperlich kleinen, aber in seinem Größenwahn schrecklich ernstzunehmenden und äußerst intelligenten Despoten. Dankenswerterweise. Denn ein vermeintlich lächerliches Auftreten hinderten Hitler genauso wenig am Aufstieg wie Donald Trump, über dessen Hautfarbe, Fönwelle und fehlende Intelligenz reichlich gespottet wurde. Bei „Er ist wieder da“ darf gelacht werden, gelingen tut es angesichts der realen Nachrichten nicht immer.

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