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Aachen: Erziehungsprogramm macht Elternschaft leicht

Aachen : Erziehungsprogramm macht Elternschaft leicht

Welche Eltern kennen solche Situationen nicht: Das Kind ist aus der Schule nach Hause gekommen, hat die Schuhe ausgezogen, sie aber kreuz und quer im Gang verteilt und verschwindet flugs im Kinderzimmer. Im Chaos von herumfliegenden Kleidungsstücken, Schul- und Sportsachen scheinen sich alle elterlichen Ermahnungen in Luft aufzulösen.

Der nächste Zündstoff lässt nicht lange auf sich warten, am Mittagstisch oder beim Kampf um die Hausaufgaben knallt es schon wieder. Hin- und hergerissen zwischen Verunsicherung und Ärger wissen viele Eltern nicht mehr, wie sie mit ihren Kindern umgehen sollen.

Hilfe verspricht hier ein neues Erziehungsprogramm: Triple P. Die Formel mit den drei „P” steht für „Positive Parenting Program”, positives Elternprogramm, und stammt aus Australien. „In meiner Rolle als Mutter wäre mir vieles leichter von der Hand gegangen, wenn ich die Alltagshilfe für ganz normale Erziehungsnöte, die dieses Konzept bietet, vorher gekannt hätte.” Davon ist die Diplom-Sozialarbeiterin Ulrike Duyster, die heute als zertifizierte Triple P.- Trainerin mit Eltern arbeitet, überzeugt. „Es lässt sich ziemlich genau bestimmen, worin eine gute, effektive Erziehung besteht. Der Ansatz von Triple P ist pragmatisch und Eltern können diese effektive Erziehung erlernen. Am Ende zählt, dass niemand mehr schreit.”

Die Grundlagen für das Elterntraining wurden in zwölfjähriger Forschung an der Universität von Queensland entwickelt, wo Experten sich mit kindlichen Verhaltensauffälligkeiten wie Schlaf- und Essproblemen, Gequengel, Ungehorsam, Wutanfällen und Aggressionen beschäftigen. Anders als viele Erziehungsmethoden wurde das Programm wissenschaftlich auch auf seine Wirksamkeit überprüft.

Wenige Jahre nach seiner Einführung boomt die „positive Erziehung” in Deutschland. „Denn Triple P. ist kein Therapieprogramm nur für schwer gestörte Kinder, sondern eine konkrete Alltagshilfe für ganz normale Erziehungsnöte zwischen Säuglingsalter und Pubertät”, berichtet Ulrike Duyster. Damit bestätigt sie die positive Resonanz der Medien, wie zum Beispiel in „Ökö-Test” oder „Geo”. Die Prinzipien des Triple-Programms sind so einfach, dass jede und jeder Fünfjährige sie verstehen kann.

Positiv bestärken

Positive Bestärkung heißt das erzieherische Zaubermittel: Wünschenswertes Verhalten der Kinder findet besondere Aufmerksamkeit, unangemessenes Verhalten wird weitestgehend ignoriert. „Viele Mütter und Väter sind selbst in strafender Atmosphäre aufgewachsen und daher gewohnt, alles über negative Äußerungen zu regulieren, durch Verbote und Maßregelungen,” so Ulrike Duyster, „oder erziehen ihre Kinder antiautoritär und wissen irgendwann nicht mehr, wie sie auf Konfliktsituationen reagieren sollen.” Triple P. hat in seinem Trainingsprogramm den Königsweg der Erziehung aufgegriffen, die „autoritative” Balance von Aufmerksamkeit, Lob und klaren Regeln. Eltern, die diese scheinbar banalen Techniken zum erstenmal ausprobieren, berichten von einem regelrechten Aufbruch. Eine Mutter schwärmt: „Es funktioniert sensationell. Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?”

Rund 70 Prozent der Eltern verändern nach einem guten Training dauerhaft ihr Verhalten. Forscher halten die Wirksamkeit von Elternausbildung für inzwischen so hinreichend belegt, dass sie empfehlen, solche Kurse auch an Schulen und Kindergärten anzubieten. So äußerte sich die Leiterin des Kindergartens St. Hubertus in Roetgen, Sandra Milz, zum Elterntrainig von Ulrike Duyster: „Ich beobachte immer wieder große Unsicherheit bei vielen Eltern bezüglich ihrer Erziehungsziele und -methoden. Meiner Meinung nach birgt eine Teilnahme am Triple P.- Training große Chancen für diese Familien, das alltägliche Zusammenleben zu erleichtern.”

Eltern, Schulen und Kindergärten können sich direkt mit der zertifizierten Triple P.-Trainerin in Verbindung setzen und sich über das Trainingsangebot unverbindlich informieren. Wer mehr über Triple P. wissen möchte: Ulrike Duyster stellt Interessierten das Erziehungskonzept auf Vortragsveranstaltungen vor und geht dort auf besondere Fragestellungen ein.