Nideggen: Er spielt, lebt und fühlt den Funk: Maceo Parker auf Burg Nideggen

Nideggen : Er spielt, lebt und fühlt den Funk: Maceo Parker auf Burg Nideggen

Mit Maceo Parker kommt einer der ganz Großen des Funk am Samstag zur „Bühne unter Sternen“ auf Burg Nideggen. Er spielte mit den Red Hot Chili Peppers, mit Keith Richards und George Clinton; für Prince war er „der Lehrer“. Bekannt wurde er jedoch vor allem durch seine Zusammenarbeit mit James Brown.

Wie weit der Einfluss des heute 75-jährigen Saxofonisten und Sängers Parker in die jüngste Musikgeschichte hineinreicht, verrät ein Blick auf die Autorenlisten von Hip-Hop- und Rap-Alben. Immer wieder erscheinen Platten, auf denen seine Töne mittels Samples vertreten sind. Geld sieht er dafür eher selten. Warum er trotzdem alles andere als verbittert ist und was das alles mit Liebe zu tun hat, erzählt Parker im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Michael Loesl.

Mr. Parker, können Sie uns bitte erklären, was Funk ist?

Parker: Jeder, der Ihnen die Erklärung für Funk geben kann, ist nicht funky! Funk ist ein Lebensgefühl. Musiktheoretisch könnte man sagen, dass man im Funk auf die synkopierte Seite des Beats hört. Aber es geht vor allem um eine Leichtigkeit, die andererseits wieder so geerdet ist, dass sie sich direkt im Bauch festsetzt.

Es geht also um Körperlichkeit?

Parker: Es geht um den lockeren Hüftschwung und die Botenstoffe, die der Körper zur Seele sendet. Schafft Musik beides, ist sie funky. Funk ist Gefühlssache. Du musst ihn als Musiker fühlen, um ihn spielen zu können. Es gibt Zeitgenossen, die behaupten, dass Funk ein sexuelles Moment hat, aber für mich war die Metabotschaft von Funk immer Liebe.

Ihr aktuelles Album heißt „It‘s All About Love“. Ist der Titel nicht ein wenig arg universell gewählt?

Parker: Aber genau deswegen habe ich ihn ja gewählt. Alles, was ich jemals spielte, spielte ich aus Liebe.

Auch unter dem Regiment von James Brown? Der galt ja nicht als Liebender, sondern als Disziplin-Despot.

Parker: Ja, das war die eine Seite seiner Persönlichkeit. Er besaß aber tatsächlich auch eine überaus liebende Seite. James hat sich bewusst für die Bürgerrechte von Afroamerikanern eingesetzt. Er war einer der ersten farbigen Entertainer, der von Weißen gehört wurde und nie mit seinem Stolz auf seine afrikanischen Vorfahren hinterm Berg hielt. Später, als er älter wurde und seine Füße nicht mehr so wollten wie er, griff er zu Drogen und wurde zunehmend unberechenbar.

Mit Drogen hatten Sie nie etwas am Hut?

Parker: Nie! Ich traf früh in meiner Karriere eine Entscheidung gegen Alkohol und Drogen. Musik spielen und damit für meinen Lebensunterhalt sorgen zu können, war mir Glück genug, um mit klarem Bewusstsein durchs Leben gehen zu wollen. Meine Demut vor dem Leben hat mich letztlich davor bewahrt, mich unverantwortlich zu verhalten.

Also sitzt das mit der Liebe tatsächlich tiefer bei Ihnen?

Parker: Liebe und die Sehnsucht nach Liebe: Das verbindet uns Menschen. Egal, auf welchem Fleck Erde man sich befindet: Man ist immer auf der Suche nach einer tiefen Verbindung zu anderen Menschen. Es gibt so viel allgegenwärtigen Hass auf der Welt, dass ich dem etwas entgegensetzen möchte. Töne, Melodien, Rhythmen, die mir mein Herz diktiert.

Mit 75 Jahren agieren Sie auf der Bühne immer noch überaus energetisch. Ist Ihre erstaunliche Kraft auch eine Folge Ihrer Liebe zur Musik?

Parker: Definitiv. Musik hat erwiesenermaßen heilenden Charakter. Sie erinnert uns daran, wer wir sind, und ist gleichzeitig freundlich zu uns. Wir können so viel reden wie wir wollen, was auch gut ist. Aber ein Akkord vermag auszudrücken, wofür ein Buchautor ein ganzes Kapitel braucht. Musik hat mich immer wieder buchstäblich gerettet, wenn es mir emotional schlecht ging. Sie ist meine treibende Kraft im Leben, neben der Liebe.

Platten, an denen Sie maßgeblich beteiligt waren, wurden hundertfach von Hip-Hop- und Rap-Künstlern gesampelt. Könnten Sie sich mit den Tantiemen, die dadurch auf Ihr Konto fließen, nicht längst zur Ruhe setzen?

Parker: Das Musikgeschäft ist ein Haifischbecken. Die allerwenigsten Hip-Hop-Künstler geben ihre Quellen tatsächlich an. Manchmal klagte ich gegen das unautorisierte Wiederverwerten meiner Musik und wurde danach entsprechend bezahlt. Aber leider tauchten meine Kompositionsanteile an James-Brown-Songs nie in den jeweiligen Autorenlisten auf. Es geht mir finanziell nicht schlecht, aber ich lebe nicht in Saus und Braus. Auf die Bühne zöge es mich aber auch noch, wenn ich halb New York besäße. Es geht dabei nicht ums Geld, sondern ums Teilen des Moments mit dem Publikum.

Sind Sie deshalb bei Ihren Konzerten nur im feinen Anzug auf der Bühne zu sehen?

Parker: Das ist eine Frage des Respekts den Menschen gegenüber, die eine Karte für mein Konzert erworben und sich entsprechend in Schale geworfen haben. Denen möchte ich nicht in Jeans und T-Shirt begegnen. Man kann auch im Anzug funky sein. Anzüge halten mich nicht vom lockeren Hüftschwung ab.

Sie hätten auch politische Kommentare mit Ihrer Musik transportieren können, aber die war immer frei von derlei Botschaften. War das eine bewusste Entscheidung?

Parker: Ach wissen Sie, meine Sprache ist Musik. Es gibt schon genug Menschen auf der Erde, die andere Leute an den Pranger stellen und für Polarisierung sorgen. Ich stehe zu 100 Prozent für das Recht jedes Menschen auf freie Lebensgestaltung, Bildung und ein Dasein in Frieden ein. Ich bin auch auf der Seite derjenigen, die gegen ein System aufstehen, in dem weiße Polizisten einfach so, ohne triftigen Grund, farbige Menschen erschießen dürfen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Aber hinter jedem Nein zu brutalen Geschehnissen steckt auch ein Ja zum Wunsch nach Verbindung. Das drücke ich mit meiner Musik aus. Es ist eben alles eine Frage der Liebe

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