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"Entweihung" in Overath

"Entweihung" in Overath

Overath/Aldenhoven (an-o/dpa) - Die Erleichterung über die Aufklärung des Dreifachmords ist groß in Overath, aber sie wird noch vom Entsetzen über das Motiv der Täter übertroffen. "Wie kann man drei Menschen umbringen wegen Mietstreitigkeiten?", fragt der Wirt, der vor acht Tagen die Polizei alarmiert hatte.

Ein Gast war in das Lokal gestürzt und hatte von einem Schuss berichtet, den er im Haus gegenüber gehört hatte. Als der Wirt hinausging, fielen weitere Schüsse, die Fensterscheibe in der Anwaltskanzlei zersplitterte.

Nun erfahren die Overather die grausigen Details dessen, was sich in diesen Sekunden in dem Büro im ersten Stock abspielte. Polizei und Staatsanwaltschaft stützen sich bei ihrer Schilderung auf das Geständnis der 19 Jahre alten Frau aus Geilenkirchen, die ihren 45-jährigen Freund beschuldigte.

Der Anwalt (61), seine Frau (53) und die älteste Tochter (26), hatten die die Kanzlei gemeinsam betrieben. Plötzlich kamen der 45-Jährige Ex-Söldner und seine Freundin in die Kanzlei. Der Mann habe das Schrotgewehr, die Pumpgun, aus seiner Sporttasche geholt und die Frau erschossen, danach den Mann und die Tochter. Arglos und wehrlos seien die drei gewesen, sagt Oberstaatsanwalt Hans Bernhard Jansen. Die Schrotkugeln zerfetzen die Opfer, entstellen sie so sehr, dass die Polizisten, die in die Kanzlei eindringen, das Entsetzen packte.

Täterpaar wurde gesehen

Das mutmaßliche Täterpaar verließ das Haus - aber es wurde gesehen. Sofort gab es eine gut passende Beschreibung des Mannes. Außerdem brüstete er sich vor dem früheren Besitzer der Waffe - nach dessen Aussage - mit der Tat.

Über die Ergreifung der mutmaßlichen Täter ist der Ort froh. Aber die Gedanken an das grausame Geschehen werden Jahre bleiben. Pfarrer Karl-Ulrich Büscher drückt es so aus: "Eine Stelle mitten in der Stadt ist entweiht worden. Da kann man nicht mehr so tun, als ob so etwas in Overath, das ja oft als heile Welt beschrieben wird, nicht passieren kann."