Aachen: „Elling“ in der Kammer des Theaters Aachen mit vielen surrealen Episoden

Aachen: „Elling“ in der Kammer des Theaters Aachen mit vielen surrealen Episoden

Gewisse Zwänge und Ängste kennt jeder: Leistungsdruck, ein flaues Gefühl vor bestimmten sozialen Situationen, Angst zu versagen. Die Komödie „Elling“ lädt den beiden Hauptfiguren einen ganzen Haufen solcher Probleme auf, die es ihnen unmöglich machen, am alltäglichen Leben teilzunehmen.

Elling (Thomas Hamm) und sein Freund Kjell Bjarne (Simon Rußig) sind aus einer psychiatrischen Einrichtung entlassen worden, in der sie sich kennengelernt haben. Elling, der bis zum Tod seiner Mutter isoliert von der Außenwelt gelebt hat, leidet unter einem Putz- und Waschzwang. Kjell Bjarne dagegen hat im Leben eher zu wenig Liebe und Zuneigung erhalten und tut sich schwer, soziale Kontakte zu knüpfen. Jetzt sollen beide lernen, sich in der „echten“ Welt zurechtzufinden. Unter Beobachtung von Sozialarbeiter Frank (Benedikt Voellmy) ziehen sie in eine gemeinsame Wohnung.

Dass die Protagonisten bereits an den ganz kleinen Dingen des Alltags scheitern, macht die Komik des Stücks aus. Elling kämpft gegen seine Angst vor dem Telefonieren — ihm erscheint es unmöglich, mit einer Person zu sprechen, von der er nicht weiß, wie sie aussieht. Und Kjell Bjarne muss sich jeden Tag überwinden, in den Supermarkt zu gehen und auf andere Menschen zu treffen.

Die Slapstick- Szenen, die entstehen, wenn die beiden Neurotiker sich einrichten, versuchen, Essen zuzubereiten oder sich in ein Restaurant wagen, zünden bei der Premiere in der Kammer des Theaters Aachen trotz perfekt abgestimmten Zusammenspiels von Hamm und Rußig nicht immer, rufen aber an einigen Stellen anhaltendes Gelächter hervor. Zur Situationskomik, die durch das schrullige Wesen der Charaktere entsteht, kommen surreale Episoden, die der Fantasie von Elling und Kjell Bjarne entspringen.

Begeisterter Szenenapplaus

So taucht Benedikt Voellmy mehrfach als riesige Sauerkrautdose mit haarigen Männerbeinen und roten Lack-Pumps auf, die Elling mit französischem Akzent zu bezirzen versucht.

Als Sozialarbeiter Frank der Männer-Wohngemeinschaft attestiert, bereit für ein Haustier zu sein, schlüpft Voellmy in ein Katzenkostüm und tanzt mit Elling und Kjell Bjarne zu Adam Greens „We’re not supposed to be Lovers“ Macarena — quittiert wird das vom amüsierten Publikum mit begeistertem Szenenapplaus.

Der raffinierte Bühnenaufbau von Kaja Bierbauer stellt zwar die Wohnung als schützendes Zentrum der beiden Protagonisten in den Mittelpunkt, erlaubt ihnen aber auch den Fortschritt bedeutenden Schritt in die Außenwelt.

Katja Zinsmeister überzeugt als dralle, ungeschickte Rollschuh-Kellnerin mehr als zuvor in ihrer Rolle als Krankenschwester Gunn. Richtig brillant ist sie aber als von Problemen geplagte, saufende, rauchende und völlig abgeklärte Nachbarin, die eine sanfte Verbindung zum Zuneigung suchenden Kjell Bjarne entwickelt.

„Elling“ stellt infrage, was eigentlich „normal“ ist und was nicht und erinnert daran, dass die Bedeutung von „Glück“ für jeden eine andere sein kann.

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