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Madrid: Eine schöne Frau zwischen leidenschaftlichen Männern

Madrid : Eine schöne Frau zwischen leidenschaftlichen Männern

Morgens um 11 Uhr liegt die Stadt noch im Dornröschenschlaf. Die Nächte in Madrid sind lang. Allerdings nicht für Gabriela Amalfitani (29), Esteban Domenichini (30), Oscar Martinez Pey (34) und Marianella (51).

Am Abend zuvor haben die Tänzerin, ihre beiden Partner und die Sängerin das Publikum im „Nuevo Teatro Alcalá” zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Zum morgendlichen Treff sind die vier Akteure zwar mit Sonnenbrillen erschienen, aber die Augen darunter blicken klar aus frischen Gesichtern.

Die Stars des argentinischen Tango-Musicals „Tanguera” sind Profis. Und dazu gehört nicht nur eine professionelle Ausbildung, sondern vor allen Dingen auch Disziplin.

Durch Europa

Mit insgesamt 34 Personen, zwei Trailern und 140 Kostümen tourt die Produktion aus Buenos Aires derzeit durch Europa. Auf Madrid folgen Frankfurt, Graz und Dresden. Von Ende Juli bis zum 10. August steht ein Gastspiel im Rahmen des 21. Kölner Sommerfestivals an, im September geht„s weiter nach Paris. „Tanguera” erzählt eine vertraute Geschichte. Die einer schönen Frau zwischen zwei Männern.

Zur Handlung: Um 1900 ist La Boca, das Hafenviertel von Buenos Aires, Anlaufstelle für Einwanderer aus Europa. Unter den Immigranten ist auch die junge Französin Giselle (Gabriela Amalfitani). Gaudencio (Oscar Martinez Pey) hat sie mit einem Eheversprechen hergelockt. In Wirklichkeit aber ist er Zuhälter. Giselle landet im Bordell. Nur die Liebe des Hafenarbeiters Lorenzo (Esteban Domenichini) hilft ihr, durchzuhalten. „Die Wandlung vom naiven Mädchen zur Prostituierten, die in einem Cabaret mit Tango die Männer ködert, darzustellen, ist tänzerisch eine echte Herausforderung”, sagt Amalfitani.

Für Martinez Pey - im wirklichen Leben ihr Ehemann - kommt es vor Allem darauf an, den Machismo herauszuarbeiten: „Gaudencio ist ein brutaler Mensch, einer, der die Frau als Besitz betrachtet, auf ihre Gefühle keine Rücksicht nimmt. Seine Bewegungen müssen sehr linear und sehr hart sein”.

Statt allabendlich den Bösewicht zu tanzen, würde er gerne mal den Part des Guten übernehmen. „Aber dafür”, so sagt er mit einem Zwinkern, „habe ich physisch einfach nicht die nötigen Voraussetzungen.”

Tatsächlich entspricht der geschmeidige Esteban mit dem hübschen Gesicht und den langen, schwarzen Haaren viel eher dem Idealbild eines jugendlichen Liebhabers: „Um ihn zu tanzen, braucht es mehr Offenheit, Weichheit und Sensibilität”. Im Tanz, der in den schäbigen Bars und Bordellen am Rio de la Plata seinen Anfang nahm und von da aus um die Welt ging, mischt sich Melancholie mit Erotik.

Letztere wird in „Tanguera” groß geschrieben. So groß, dass das Musical, das 2002 in Buenos Aires uraufgeführt wurde und 2006 seine Deutschland-Premiere in Hamburg erlebte, für ein Gastspiel in China „entschärft” werden musste. In Köln wird die Geschichte komplett zu sehen sein.