Maastricht/Aachen: „Eine Magersucht-Lösung für Maastricht”

Maastricht/Aachen: „Eine Magersucht-Lösung für Maastricht”

Das niederländische Parlament hat den harten Sparkurs im Kultursektor gebilligt.

Damit wird Kulturstaatssekretär Halbe Zijlstra seine Pläne - trotz massiver Proteste von Kulturschaffenden - im Großen und Ganzen umsetzen können: Ab 2013 werden jährlich rund 200 Millionen Euro weniger in den staatlichen Kulturetat fließen.

Der forsche Kulturmanager Zijlstra will das kulturelle Erbe pflegen. Die tiefsten Einschnitte müssen die darstellenden Künste verkraften. Dabei werden die Spitzeninstitutionen wie De Nederlandse Opera oder das Nederlands Dans Theater weitgehend geschont. Am härtesten trifft das Sparbeil die kleinen und mittleren Gruppen. Sponsorengelder statt öffentlicher Subventionen, Mainstream statt Experiment lautet die Devise.

Auch die Provinz Limburg wird von den Sparmaßnahmen überproportional getroffen. „Das ist eine Magersucht-Lösung für Maastricht”, sagt ihr Beigeordneter für Kultur, Jacques Costongs. Zum totalen Kahlschlag werde es zwar nicht kommen, aber statt der befürchteten 75-prozentigen Kürzung müsse Maastricht mindestens mit einer Halbierung der staatlichen Zuschüsse rechnen.

Einen Hoffnungsschimmer erkennt Costongs allerdings für das Limburgische Sinfonieorchester (LSO) und die Opera Zuid. „Beide Institutionen können eigenständig überleben”, sagt er. Denn das Parlament stimmte einem Antrag der christdemokratischen Regierungspartei CDA zu, die regionalen Orchester stärker zu unterstützen, als der Kulturstaatssekretär vorgesehen hatte. Das bedeutet: Das LSO und das Brabanter Orchester erhalten - garantiert für vier Jahre - jeweils eine halbe Million Euro Extra-Zuschuss jährlich, wenn sie intensiver zusammenarbeiten. Eine Fusion ist damit vorerst vom Tisch. Insgesamt bekommen die beiden Klangkörper im Süden des Landes dann sieben Millionen Euro Subventionen. Das sind aber noch immer 4,5 Millionen Euro weniger als bisher.

Von einer Rettung des LSO will Huub Smeets daher auch nicht sprechen. Er ist nicht nur Vorstandsvorsitzender der Stiftung für die Kandidatur Maastrichts als Kulturhauptstadt 2018, sondern auch Mitglied im Raad voor Cultuur, dem Beratergremium des Kulturstaatssekretärs. Die Vorschläge des Kulturrats habe der „Macho” Zijlstra allerdings nicht ernst genommen, meint Smeets.

An einer eigenständigen Zukunft des LSO zweifelt Smeets. Zunächst müsse sich zeigen, wie die sieben Millionen Euro genau verteilt werden und wie kooperationsfähig das LSO überhaupt ist. Dagegen sieht er für die Opera Zuid gute Chance zu überleben - auch mit nur noch einer Million Euro Zuschuss statt der bisherigen anderthalb Millionen.

Schwarz sehen die beiden Maastrichter Kultur-Experten jedoch für die Jan-van-Eyck-Akademie, ein postakademisches Institut für bildende Kunst, und die Schauspielwerkstatt Het Huis van Bourgondie. Nur noch 50 Künstler im ganzen Land sollen nach ihrem Studium noch unterstützt werden. Alle 24 Theater-Produktionshäuser werden die Förderung verlieren. „Jungen Talenten wird damit das Genick gebrochen”, sagt Smeets.

Aus Protest gegen die Kürzungen ist die Vorsitzende des Kulturrats am Freitag zurückgetreten. Smeets will durchhalten - zumindest bis zum nächsten Gespräch mit Zijlstra am kommenden Dienstag. Wie Costongs rechnet er mit weiteren Protesten auf der Straße: „Wir werden hinter Griechenland bald den zweiten Platz belegen”, glaubt Costongs sogar, weil die neue liberal-konservative Regierung auch in anderen Ressorts heftig Gelder streicht.

Mit Blick auf die Kulturhauptstadt-Kandidatur bleibt Smeets bei seiner Haltung: Jetzt erst recht! Und er bekommt Unterstützung von der lokalen Politik: Der Maas-trichter Gemeinderat beschloss diese Woche, ab 2012 für die Bewerbung der Stadt 20 Millionen Euro locker zu machen. „Das ist ein sehr positives Zeichen gegen den Kulturabbau.”