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Aachen: Eine Herzensangelegenheit: Leon de Winters „Malibu”

Aachen : Eine Herzensangelegenheit: Leon de Winters „Malibu”

Es geht um viel in Leon de Winters neuem Roman. Um sehr viel. Um Liebe, Tod, Trauer, Spionage, Religion und mehr.

Doch keine Angst: De Winter beherrscht sein Metier derart souverän, dass er zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, sich in der Themenvielfalt zu verlieren.

Im Gegenteil: Wie es ihm gelingt, selbst komplizierteste Zusammenhänge derart klar zu schildern, ist sehr bemerkenswert.

Am Morgen ihres 17. Geburtstags ist die Welt von Mirjiam Koopman und ihrem Vater Joop noch in Ordnung. Beim Frühstück, das er seiner Tochter zur Feier des Tages serviert, sind beide bestens aufgelegt - kein Hinweis auf die Tragödie, die sich nur wenige Stunden später abspielen wird.

Bei einem Motorradunfall kommt Mirjiam ums Leben, für Joop bricht eine Welt zusammen. Mirjiam, die er nach der Trennung von seiner Frau alleine groß gezogen hat, war sein Ein und Alles. Nun droht der totale Absturz.

Doch wie so oft im Leben kommt alles ganz anders: Joop wird in eine dubiose Spionagegeschichte um den israelischen Geheimdienst verwickelt, Zeit zum Trauern bleibt da kaum.

Zumal auch noch Erroll in sein Leben tritt, jener schwarze Bo- dybuilder, der in Los Angeles ein Sportstudio betreibt und das Unglücks-Motorrad lenkte, auf dem Mirjiam ums Leben kam.

Gründet das Leben nur auf Zufällen?

Erroll, den sie auch Godzilla (Spitzname „God”) nennen, fühlt sich für Mirjiams Tod verantwortlich und bietet Joop seine Dienste an. Und noch eine Person erscheint auf der Bild fläche: Linda, eine Jugendliebe, die inzwischen Buddhistin geworden ist und Leon vom Gedanken der Reinkarnation überzeugen will.

Eine Frage treibt de Winter besonders um: Gründet das Leben der Menschen nur auf Zufällen oder gibt es am Ende doch so etwas wie Bestimmung? Eine Antwort serviert uns der Niederländer nicht, es beschleicht einen das Gefühl, dass bestimmte Dinge eben nicht erklärbar sind. Auch nicht wissenschaftlich.

Joop Koopmann jedenfalls ist - auch wenn medizinisch alles dagegen spricht - fest davon überzeugt, dass irgendetwas von seiner Tochter in jenem jungen Mädchen weiterlebt, dem Mirjiams Herz eingepflanzt wurde.

Gegen Ende kommt es zur Begegnung zwischen Joop und dem Mädchen: „Joop erreichte das Mädchen, ehe es weglaufen konnte. Vielleicht würde es ihn erkennen, vielleicht sagte sein Herz ihm, dass es ihn kannte. Das also war es, was Joop die ganze Zeit getrieben hatte: die Möglichkeit, dass das Herz des Mädchens ihn erkannte.”

Ein kleiner Wermutstropfen: Wer auch immer entschieden hat, dass de Winters Roman in der deutschen Übersetzung „Malibu” und nicht wie im Original „Gods Gym” heißt, hat dem Buch keinen Gefallen getan. Ein schlechter Titel für ein sehr gutes Buch.