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Köln: Eine Frischzellenkur für Köln

Köln : Eine Frischzellenkur für Köln

„Wenn man hundert Meter vom Dom entfernt ist, weiß man nicht mehr, dass man in Köln ist”, sagt Professor Albert Speer. Von einer regelrechten Chaosstadt spricht er. Die Ursache ist überwiegend der nicht immer gut durchdachte Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinem Masterplan, der jetzt über den Dächern Kölns im DKV-Gebäude vorgestellt wurde, will Speer jetzt Ordnung in das Durcheinander bringen.

Im Städtebau, in der Verkehrsplanung und in der Gestaltung von Freiräumen.
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Das Besondere an dem Plan ist, dass er nicht etwa von der Stadt Köln, sondern vom Verein „Unternehmer für die Region Köln e.V.”, bestehend aus 38 Mitgliedern, in Auftrag gegeben und der Stadt geschenkt wurde. Langfristige Ziele: Eine bessere Positionierung im internationalen Standortwettbewerb sowie eine höhere Attraktivität für Stadtbewohner und Besucher.

Rund ein Jahr hat es gedauert, bis der Plan von „unserem Professor Speer”, wie der Vorsitzende des Unternehmervereins, Paul Bauwens-Adenauer, den international renommierten Architekten bezeichnete, stand. Was Speer nicht bedacht hatte: Die Diskussionsfreude der Kölner, die in „unendlich vielen Terminen” Ausdruck fand. „Das hat uns schon wirtschaftlich ins Schleudern gebracht”, sagte er mit einem Lachen.

Einen besonders hohen Mitteilungsdrang verspürten die Kölner wohl in der Frage zur Zukunft der Nord-Süd-Fahrt, die die Innenstadt durchschneidet. Bauwens-Adenauer will die Schneise am liebsten im wahrsten Sinne des Wortes unter die Erde bringen, Speer will es aber den Kölnern nicht zumuten, eine zweite Großbaustelle neben dem U-Bahn-Projekt aufzumachen. Er will stattdessen einen Rückbau zu einer normalen Straße. „Der Verkehr soll aber nicht aus der Stadt vertrieben, sondern nur vereinfacht und reduziert werden”, ergänzt Speer.

Überhaupt setzt er eher auf kosmetische Veränderungen, denn auf eine komplette Umgestaltung. „Der einzige Abbruch, den ich fordere, ist die Überbauung der Nord-Südfahrt vor dem Renzo-Piano-Bau (Peek&Cloppenburg)”, sagt Speer mit Nachdruck. Das würde sich eh im Zuge des Neubaus des Schauspielhauses anbieten. Ein „Opernfenster”, ein Übergang zur Oper, schwebt ihm vor.

Auf der Achse soll außerdem der Neumarkt umgestaltet werden, statt Umfahrung Anschluss an die Nord-Süd-Fahrt, im Gegensatz dazu soll der Barbarossaplatz wieder zu einem richtigen Platz und somit umfahren werden. Vom Rudolfplatz will er die Autos verbannen. Auf der Ost-West-Achse, auf der Aachener Straße, will er die Schienen in die Straße integriert sehen. Für seine Kritik an den „Zwängen des öffentlichen Personennahverkehrs” auf diesen Routen erntet Speer Zwischenapplaus von den Kölnern.

Aus dem Stadtring muss aus Speers Sicht ein Boulevard werden - was er auch ursprünglich war. „Aber davon ist nichts mehr zu erkennen.” Es sei ein einziges Chaos aus Beleuchtung, Grünflächen und Parkplätzen. Letztere sind ihm sowieso ein Dorn im Auge: Viele Plätze seien zu Parkflächen umfunktioniert worden, gleichzeitig sei Köln die Stadt mit den meisten Parkhäusern. Und die seien kaum ausgelastet.

Das müsse überdacht werden, um dem Ziel, wieder mehr Plätze zu beleben, näher zu kommen. 30 Hektar der Innenstadt sollen außerdem grüner werden. Der innere Grüngürtel soll sogar zum Central Park für Kölner werden. Das heißt: Verschönerung der „nur teilweise” attraktiven Flächen. Beispielsweise an der Uni.

Auch die „Schäl Sick”, die andere Rheinseite, hat Speer unter die Lupe genommen. Sein Urteil: Es bestehen große Chancen einer besseren Stadtentwicklung, wenn man die ansehnlichen Stellen miteinander verbindet.

Dass nicht alles auf einmal in Angriff genommen werden kann, ist Speer klar. „Das ist ein Drehbuch, die Rahmenhandlung”, erklärt er. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma hat aber bereits ein paar Punkte ins Auge gefasst, die er gerne in Angriff nehmen würde: Darunter Ebert-, Rudolf- und Barbarossaplatz und die Vernetzung der Grünflächen mit Anbindung an den Rhein. Beim Deutzer Hafen will er „darüber sprechen, Arbeitsplätze zu verlagern”, damit der Hafen ein „kreatives Nest” werden kann.

Der Rat der Stadt Köln hatte sich im August 2007 dazu verpflichtet, den Plan als verbindliche Leitidee zu verabschieden. Das soll Anfang 2009 umgesetzt werden.