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Einäscherung als kostengünstige Pietät

Einäscherung als kostengünstige Pietät

Aachen (an-o) - Mehr und mehr Menschen bestimmen zu Lebzeiten: "Wenn ich sterbe, lasse ich mich verbrennen." Der vermutliche Grund: Die Bestattungskosten sind geringer. Im vergangenen Jahr wurden im Aachener Krematorium 3974 Leichen eingeäschert.

Das ist eine verhältnismäßig große Zahl. Denn es werden nicht nur Verstorbene aus dem Einzugsbereich der Stadt Aachen "kremiert", selbst aus Köln, Bonn und aus Rheinland-Pfalz werden Leichen gebracht, die in Aachen "fachgerecht und kompetent", so Günter Sibbel, technischer Leiter des Aachener Krematoriums, verbrannt werden.

851 Einäscherungen verzeichnete die Statistik des Jahres 2001 für die Stadt Aachen, 1187 Tote aus dem Kreis Aachen wurden ins Krematorium neben dem Friedhof Hüls gebracht, 1929 kamen aus anderen Gegenden. Wobei die Zahl derer, die aus den Kreisen Düren und Heinsberg angefahren wurden, nicht mehr extra aufgeschlüsselt wird. "Der Anteil der Feuerbestattungen liegt schon bei ungefähr 30 Prozent, mit steigender Tendenz", erklärt Sibbel. Ausschlaggebend für die Einäscherung sind sicherlich die geringeren Kosten. Allein in der Stadt Aachen sparen die Hinterbliebenen bei einer Feuerbestattung mehr als 330 Euro gegenüber einer Erdbestattung im Reihengrab.

Und auch die Folgekosten, wie etwa die Anlage des Grabes oder die Grabpflege sind erheblich geringer. Bei einer 25-jährigen Ruhezeit im Urnengrab lassen sich noch einmal rund 500 Euro einsparen.

"Grauzone" in den Niederlanden

Natürlich gibt es Zeitgenossen, die die hiesige Friedhofsordnung umgehen wollen und durch die Hintertüre die geplante Gesetzesänderung des Landes vorwegnehmen. Die ihre verstorbenen Angehörigen nicht auf einem Friedhof zwangsweise beisetzen lassen wollen, stattdessen die Asche des Verstorbenen auf den Kaminsims stellen wollen, was die rot-grüne NRW-Landesregierung gegen den Widerstand der CDU und der Kirchen möglich machen will.

Derzeit ist es noch Grauzone: In den Niederlanden kann man die Überreste des Angehörigen verbrennen lassen, muss sich anschließend aber auf eine Wartezeit von 30 Tagen einstellen, erst danach darf die Asche abgeholt werden.

Urnentourismus

Seit zweieinhalb Jahren gibt es diese Bestimmung, die niederländische Regierung wollte so (erfolgreich) den Urnentourismus stoppen."Dadurch haben wir jährlich 1000 Verbrennungen weniger", klagt Felix Hendriks vom Crematorium Beheer Limburg.

Weniger bekannt ist, dass auch im belgischen Hasselt die Leiche des Angehörigen, ausgestattet mit den nötigen amtsärztlichen Attesten, verbrannt und sofort danach mit nach Hause genommen werden kann.

Allerdings, die Einfuhr der Asche ist illegal.