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Aachen: Ein weißer Elefant wird zum Botschafter der Kulturen

Aachen : Ein weißer Elefant wird zum Botschafter der Kulturen

Die Ausstellung „Ex oriente - Isaak und der weiße Elefant”, die am kommenden Sonntag von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse eröffnet wird und danach ab 30. Juni bis zum 28. September in Rathaus, Dom und Domschatzkammer zu sehen ist, regt das Miteinander von Judentum, Islam und Christentum sowie den Brückenschlag zwischen Kulturen an.

Rund 570 Leihgaben aus 15 Ländern prägen des „Reiseweg” von Bagdad über Jerusalem nach Aachen, erzählen vom Wissen, Leben und von den Errungenschaften jener Zeit. Wir haben versucht, uns einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Aladins Wunderlampe steht metallisch glänzend hoch oben im mystischen Dämmerlicht der Domempore, im Rathaussaal ragen dunkle Wände auf, dazwischen gibt es königliches Schach und schimmerndes Gold, doch noch regieren die Handwerker das, was als „Ex oriente - Isaak und der weiße Elefant” bis zum Sonntag eine Ausstellung mit Weltgeltung werden soll.

Bei der Vorbesichtigung am Donnerstag, zu der sich zahlreiche Medienvertreter aus ganz Deutschland drängten, stolperte man leider noch auf breiter Fläche über Kartons und Kisten.

Bleibt zu hoffen, dass „Ex oriente”, das ehrgeizige Ausstellungsprojekt mit einem Kostenumfang von 1,6 Millionen Euro, an dem Stadt Aachen, Fachhochschule Düsseldorf und Domkapitel Aachen schon seit Jahren arbeiten, bis zum Eröffnungstag ein Optik erhält, die dem Gehalt entspricht.

Häufig sind es eher unscheinbare Stücke, deren tiefe Bedeutung sich erst bei näherem Hinschauen und bei der Aufnahme von Hintergrundinformationen erschließt.

Daher ist bei einem ersten Kontakt mit „Ex oriente” die Teilnahme an einer der zahlreichen Führungen sicherlich ein guter Weg.

Mit den drei Ausstellungsorten Krönungssaal, Kreuzgang und Dom haben sich die Organisationen für drei große Schwerpunkte entschieden: So steht der Saal des Rathauses ganz im Bann der Metropole Bagdad, Sitz des mächtigen Kalifen, Ort der Kunst, der Wissenschaften, der Architektur, der Religion und Bildung.

Mit eine Videoinstallation über das Reisen überrascht man den Besucher gleich beim Eintritt in den Raum, und ein anderer Aspekt wird hier sichtbar: die Einbindung der heutigen Künstler und deren Blick auf Vergangenheit und Gegenwart.

„Es gibt prägnante Aussagen”, die den Ausstellungsstücken antworten oder Brennpunkte bilden”, sagt Adam C. Oellers, stellvertretender Leiter des Suermondt-Ludwig-Museums.

Was gehörte zum Ritus der jeweiligen Religion? In Kreuzgang gewinnt man einen Eindruck davon. Der Dom ist Kraftzentrum des christlichen Glaubens und Ausdruck karolingischer Kultur.

Mit dieser Konzeption lässt sich die Reise des Juden Isaak, der Kaiser Karl neben vielen anderen Geschenken des Kalifen auch den weißen Elefanten mitbringt, tiefsinnig und praktisch zugleich nachvollziehen. „Eine Möglichkeit, den Kulturvergleich spannend zu gestalten”, meint Georg Minkenberg, Leiter der Domschatzkammer.

Die Strenge der schmalen Nischen im Krönungssaal kann die Konzentration auf kostbare Raritäten fördern - auf Buchmalereien etwa, die bis heute in leuchtenden Farben Harun al-Raschid in seiner prächtigen Badeanlage zeigt.

Vor den bedrückend hohen Wänden, mit denen Ausstellungsarchitektin Sylvia Leydecker die alles bestimmende Macht des Herrschers spürbar machen will, gibt es Fragmente aufwändiger Stuckornamente, die Kunstsinn und Bildsprache gleichermaßen vermitteln.

Selbst der von einem Schwerthieb getroffenen Schädel eines jungen Mannes trägt seine Botschaft - eine Lektion über Waffen und deren Gebrauch, kombiniert mit einer künstlerisch-gegenwärtigen Auseinandersetzung zum aktuellen Thema Rüstungsexport. „Wir blicken in die Vergangenheit und skizzieren zugleich die Schrecken der Moderne”, betont FH-Professor Dr. Wolfgang Dreßen, einer der Kuratoren.

„Diese Ausstellung soll keine Antworten liefern, sondern Fragen stellen. Diese Wirkung ist uns wichtig.” Und wenn vom Dialog die Rede ist, fordert Oberbürgermeister Jürgen Linden die Hinwendung zur konkreten Lebensumgebung einer Stadt.

Ausdrücklich dankt er den Sponsoren, ohne die „Ex oriente” nicht möglich wäre. Und Dompropst Hans Müllejans erinnert mit Nachdruck an das Friedensgebet (7. bis 9. September) in Aachen, zu dem man hunderte von Teilnehmern erwartet. In Verbindung zur Ausstellung „Ex oriente” ein gut gewählter Zeitpunkt.