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München: „Ein normaler Mensch ganz ohne Allüren”

München : „Ein normaler Mensch ganz ohne Allüren”

Alles fing mit ein paar handgeschriebenen Blättern an. Hertha Rühmann hat im Januar dieses Jahres mit der Rückschau begonnen - auf 20 Jahre an der Seite der deutschen Schauspiellegende Heinz Rühmann.

Jetzt stellte sie ihr Buch „Meine Jahre mit Heinz” (Verlag Langen Müller) in München vor.

Gestützt auf Fotoalben und Tagebücher lässt die Witwe darin die Zeit an der Seite des Schauspielers Revue passieren - zehn Jahre nach dessen Tod am 3. Oktober 1994. Bereits kurz nach dem Tod ihres Mannes waren Verleger an sie herangetreten. „Doch damals war das alles noch viel zu frisch”, erzählt Hertha Rühmann. „Es sollte ein heiteres Buch werden, mit Freude und Leichtigkeit. Dafür braucht man einen gewissen Abstand.”

Alles von Herzen

Die Ex-Verlegergattin lernte Rühmann Mitte der 60er Jahre bei einer Abendeinladung kennen. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Hertha Feiler 1970 freundeten sich die beiden an - 1974 heirateten sie.

Auch wenn er in den Anfängen ihrer Ehe noch häufig zu Dreharbeiten unterwegs war, habe sie sich an seiner Seite „nie einsam” gefühlt, sagt Rühmann. „Ich war eher froh, wenn ich einmal Zeit für mich und meine Kinder hatte. Meine Ehe war ein Fulltime-Job.”

In Erinnerung behält sie ihn dann auch in erster Linie als Ehemann, nicht als Schauspieler, auch wenn er seine Rollen in Gestik und Mimik mit nach Hause nahm. „Ich war nicht mit einem Star verheiratet. Er war ein normaler, bescheidener Mensch ganz ohne Allüren”, erzählt Hertha Rühmann.

Zum Staubsauger habe er aber dennoch nicht gegriffen. „Das höchste der Gefühle war, dass er sich mal einen Tee aufgebrüht hat - allerdings mit Beutel”, erinnert sich Rühmann.

Dass ihr verstorbener Mann so viele Menschen während seiner mehr als 70-jährigen Karriere begeisterte, führt sie auf seinen Charakter zurück. „Bei ihm kam alles von Herzen, er war ein Gefühlsmensch, das hat er seinem Publikum vermittelt.”

Auch ihr Sohn Erich Droemer, der die handschriftlichen Erinnerungen seiner Mutter abtippte, schwärmt von seinem Stiefvater. „Vor allem die Fliegerei verband uns”, erzählt Droemer. Dass er sie nach seinem 80. Geburtstag aufgab, habe Rühmann besonders geschmerzt.

„Ich war nie ängstlich, bin auch oft mit ihm geflogen”, betont Hertha Rühmann. „Doch ich habe zu ihm gesagt, bevor dir der Arzt das Fliegen verbietet, hör lieber freiwillig auf.”

Ihr Alltag ist auch nach Rühmanns Tod von ihm geprägt. „Mein Leben hat sich eigentlich nicht sehr geändert, auch wenn das komisch klingen mag. Ich lebe mit ihm weiter. Es ist so, als wäre er noch hier”, sagt die Witwe, die noch in der gemeinsamen Villa am Starnberger See lebt.

Manchmal befürchtet sie, auf den 250 Seiten Erinnerungen „zu viel preisgegeben” zu haben. Es sei ein sehr privates Buch geworden. Ebenso werde sie auch den zehnten Todestag am 3. Oktober verbringen. „Das wird ein sehr privater, intimer Moment”, sagt Hertha Rühmann.



Hertha Rühmann: Meine Jahre mit Heinz. Verlag Langen/Müller. 250 Seiten, 19,90 Euro.