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Aachen: Ein netter Plausch zweier netter Herren

Aachen : Ein netter Plausch zweier netter Herren

Wie es sich gehört, die wichtigsten Nachrichten zu diesem Spätnachmittag mit Peter Gabriel in Aachen zuerst: Er war da, er hat nicht gesungen, und er hat immer noch jede Menge leidenschaftlicher Fans in der Region, die ihn voll und ganz verehren.

Denn sonst ließe sich nicht erklären, warum die Mulde im Ludwig Forum und der Platz drumherum gestern proppenvoll waren, und warum sich dieser Zustand bis zum Ende von Gabriels Visite gegen 19 Uhr auch nicht dramatisch änderte. An der Veranstaltung selbst konnte es nicht gelegen haben, denn die war eine nette, bisweilen amüsante, oft aber auch seicht vor sich hin plätschernde PR-Session für Gabriels CD-Projekt „Big Blue Ball”. Das Album soll Ende des Monats auf den Markt kommen.

Dass die Fans also blieben, lag wohl an Gabriel selbst, diesen sehr gelassenen, humorvollen, durch und durch britischen Herren, der - kaum hatte er das Podium betreten - sich seiner schweren Schuhe entledigte und höflich auf alle Fragen - auch später des Publikums - antwortete.

Der 58-Jährige, in den 70er Jahren exaltierter Frontmann der Kultband Genesis und nun ein Weltstar mit großem Interesse an Musik aus allen Winkeln dieser Erde, ist einerseits ein mit allen Wassern gewaschener Profi, der seine Außenseiterrolle im großen Geschäft kultiviert, anderseits aber auch ein authentischer Mensch, der sehr sympathisch rüberkommt.

Vielleicht 45 Minuten redete Gabriel mit Rick Takvorian, dem Veranstaltungsmanager der Stadt, über das Zustandekommen und den Sinn des CD-Projektes. Viel Neues war dabei allerdings nicht zu erfahren. Die beiden Herren können es jedenfalls ganz gut miteinander, seitdem sie sich vor zwei Jahren an gleicher Stelle ebenfalls zu einem Plausch verabredet hatten.

Der allerdings - Anlass war die Verleihung des Preises der Peter und Irene Ludwig Stiftung an den Musiker - war damals ungleich inspirierender und inspirierter als die Neuauflage gestern. Daran änderten auch die drei, vier musikalischen Einspielungen von der „Big-Blue-Ball”-CD nichts, zu denen die beiden Herren sehr engagiert in ihren Bauhaus-Freischwingern mit dem Oberkörper wippten.

Ach ja, Kunst gab es auch, denn die ganze Chose stand ja in Zusammenhang mit dem „across the borders”-Kulturprojekt in Aachen. Mode, Installationen, Videos, Grafiken - alles irgendwie angestoßen von Gabriels „Big Blue Ball”. Doch so recht kam die Kunst nicht zur Geltung, obwohl die große Installation des Belgiers Pieterjan Ginckels - eine hölzerne Konstruktion in Form eines Balls mit Bildschirmen, auf denen die Musik mit Videokunst aus aller Welt kombiniert wird - direkt im Rücken des Podiums stand, auf dem Takvorian und Gabriel saßen.

Der hatte die Kunstwerke zuvor zum ersten Mal gesehen. Die Künstler, zum Teil anwesend, und ihre Projekte wurden gestern jedenfalls sträflich vernachlässigt. Sie einfach nur kurz dem Publikum vorzustellen, das reicht einfach nicht, wenn man nicht den Eindruck erwecken will, sie seien nur Vorwand, um den Weltstar Gabriel nach Aachen zu holen.

Deshalb an dieser Stelle die Aufforderung: Hören Sie nicht nur Gabriels Musik, schauen Sie sich im Ludwig Forum auch die Arbeiten von Pieterjan Ginckels, Fergus Greer, Yael Davids, Marcus Kreiss, Krisna Murti, Hubert Lambert, Marius Schillak sowie die Roben aus einem Projekt der Welthungerhilfe an. Sie stehen allen in Zusammenhang mit dem blauen Planeten, dem „Big Blue Ball”. Es ist sehr spannend und lohnt sich herauszufinden, in welchem.