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Aachen/Dortmund: Ein mulmiges Gefühl fährt mit

Aachen/Dortmund : Ein mulmiges Gefühl fährt mit

Mittwochmorgen, 7.45 Uhr, im Regionalexpress zwischen Dortmund und Aachen: „Terror-Angst bei der Bahn”, „Bombenkoffer in Bahnhöfen”, „Verdacht auf Attentate” titeln die Zeitungen, die viele Reisende lesen. Doch die Berufspendler im „NRW-Express”, in dem am Montag einer der Bombenkoffer gefunden wurde, wollen diese Angst nicht so recht spüren.

Sie geben sich gelassen, dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl. Sabrina Gereys, 47, Lehrerin, aus Hasselt hat den zweiten - zum Glück misslungenen - Anschlag in London miterlebt, doch da sie kein Auto besitzt, fährt sie weiterhin mit der Bahn. „Ich habe gelernt, ruhig zu bleiben.”

Die beiden Monschauer Rentner Hildegard Faymonville (53) und Thomas van der Maas (62) sind der Meinung, dass ängstliche Menschen zu Hause bleiben sollten. „Doch selbst da kann einem die Decke auf den Kopf fallen”, nimmt van der Maas die Sache gelassen. „Das kann doch überall passieren”, sagt Heike Frenzel, die jeden Tag von Dortmund nach Wattenscheid zur Arbeit fährt. „Wenn eine Bombe in diesem Zug war, dann ist das Risiko, dass es wieder hier passiert, doch gering.”

Die 37-jährige Aachener Kathrin Schneider wird seit dem vermuteten Anschlag nun verstärkt wieder das Auto benutzen, „da das mulmige Gefühl bestimmt nicht nachlässt”. Georg Adolfs, 53, Außendienstmitarbeiter aus Aachen - er fährt täglich Bahn - will jetzt verstärkt auf „verdächtige Koffer und Personen achten und Außergewöhnliches sofort der Polizei melden”.

So denken auch viele andere im „NRW-Express”, der wie jeden Morgen bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Der Zug gilt als die Bahn-Hauptverkehrsader in Nordrhein-Westfalen. Er fährt in drei Stunden quer durch das bevölkerungsreichste Bundesland von Aachen nach Hamm, hält an 27 Bahnhöfen und transportiert täglich zehntausende Menschen. Dennoch: „Die Gefahr, auf der Straße überfahren zu werden, ist doch viel höher, als von einer Bombe im Zug getroffen zu werden”, sagt der Auszubildende Bernd Radke. „Von solchen Idioten lasse ich mir doch das Leben nicht mies machen.”

Etwas mehr Gedanken über den Bombenfund in dem Zug, der ihn jeden Morgen zur Arbeit bringt, macht sich Ralf Lehr: „Ich halte Ausschau nach allein stehenden Koffern und anderen auffälligen Dingen, dann passiert schon nichts”, sagt er. Nach aufmerksamen Bahnfahrern wie Ralf Lehr suchen Dortmunder Polizisten, die ebenfalls im Regionalexpress mitfahren. Sie verteilen Flugblätter mit einem Foto des Koffermodells, in dem sich die Bombe befand.

„Wir hoffen, dass sich vielleicht doch jemand an die Person erinnern kann, die den Koffer im Zug abgestellt hat”, sagt Kommissarin Silke Hallemeyer. Seit 4 Uhr morgens sind 90 Beamte aus Aachen und Dortmund im Einsatz, davon 30 von der Aachener Einsatzhundertschaft. Sie verteilen rund 13.000 Flugblätter. Und auch Wolfgang Wieland von der Dortmunder Polizei bekräftigt: „Wir erhoffen uns, dass sich möglichst viele Reisende melden und Hinweise geben.”

Die meisten Reisenden reagierten positiv auf die Flugblätter. Nur wenige sind geschockt, weil sie noch nichts von dem Bombenfund gehört haben. So geht es auch einem Studenten, der in Bochum zusteigt und im Zug als erstes auf die Polizistin trifft. Nachdem er sich bei Mitreisenden über die Vorfälle informiert hat, sagt er: „Ich muss doch mit diesem Zug fahren. Und wenn ich mir das jetzt zu Herzen nehme, dann haben die Bombenbauer genau das erreicht, was sie wollten.”