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Aachen: Ein Maschinenbauer von besonderer Qualität

Aachen : Ein Maschinenbauer von besonderer Qualität

Er ist kein Typ, der gerne im Rampenlicht steht. Dabei ist er das Aushängeschild der deutschen Qualitätswissenschaften schlechthin. Neulich gab es aber doch etwas Rummel um Professor Tilo Pfeifer.

Da platzte sein Nachfolger Professor Robert Schmitt mitten hinein in die letzte Vorlesung Pfeifers, fast überfallartig, völlig überraschend. Dazu gab es auch noch Sekt. „Da war ich gerührt”, sagt Pfeifer zu der Aktion. „Die Vorlesungen waren mir immer wichtig. Ich bin da mit Freude rein gegangen, weil ich jungen Menschen Dinge vermitteln konnte, die mir wichtig sind, nicht nur in fachlicher Hinsicht.” Die Studierenden werden ihm fehlen.

Glaube an das Gute

Am Freitag wird Tilo Pfeifer in einem Festakt an der RWTH in den Ruhestand verabschiedet. Mit der Vollendung seines 65. Lebensjahres scheidet er aus dem Hochschuldienst aus. „Es wird Zeit, dass jetzt die Jüngeren nachrücken”, ist er überzeugt, dass Schmitt die Geschicke am Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen bestens lenken wird.

Mit Pfeifer geht nun auch der letzte Verbliebene aus dem Vierer-Direktorium des WZL, das dem renommierten Institut der RWTH in der dritten Führungsgeneration in seiner nahezu einhundertjährigen Geschichte vorstand. Mit der Amtsübernahme seines Nachfolgers ist der Schritt in die vierte Führungsgeneration, der auch die „neuen” Professoren Christian Brecher, Fritz Klocke und Günther Schuh angehören, vollzogen.

Der in Benzen in der Lüneburger Heide geborene Pfeifer studierte an der RWTH Elektrotechnik, Fachrichtung Nachrichtentechnik. Bereits in seinem zweiten Studienjahr schlug er die Brücke zum Maschinenbau, indem er als Hilfswissenschaftler eine Tätigkeit im WZL aufnahm. 1965 wurde daraus eine Arbeit als wissenschaftlicher Angestellter bei Professor Herwart Opitz, die er 1968 mit der Promotion abschloss. „Herwart Opitz habe ich eine Menge zu verdanken”, lobt Pfeifer den Mentor.

National und international anerkannt

Die Fähigkeit, zuhören zu können, das Bemühen um Ausgleich, seine vertrauenswürdige Art, die Motivation und Integration der Mitarbeiter, seine Offenheit - im Laufe der Jahre entwickelte Pfeifer einen Führungsstil, der nicht in das Bild eines knallharten Managers passte, mit dem er sich aber als national und international anerkannte Persönlichkeit Respekt verschaffte. Robert Schmitt drückt es so aus: „Tilo Pfeifer glaubt an das Gute im Menschen.”

1969 wechselte Pfeifer für kurze Zeit in die Industrie, wo er in führender Position tätig war. Nach der Rückkehr an das WZL wurde er nach seiner Habilitation im Jahr 1972 zum Professor und Leiter des Lehrgebietes „Messtechnik für die automatisierte Fertigung” berufen. Seit 1980 ist er Mitglied im Direktorium des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT, wo er bis zuletzt die Abteilung Mess- und Qualitätstechnik leitete.

Über 500 Vorträge des Aachener Wissenschaftlers fanden Zuhörer auf Kongressen in aller Welt, über 1000 wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften der Fertigungsmesstechnik, der Laser-Messtechnik, des Qualitätsmanagements und der Fertigungsautomatisierung weisen ihn als einen Fachmann seines Lehr- und Forschungsgebietes aus.

Weniger Fachbücher

Mit Schmitt übernimmt ein Mann mit Industrieerfahrung die Nachfolge Pfeifers. Es ist daher nur zu verständlich, wenn auch der „Neue” am WZL auf die Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Industrie setzt.

Zukünftig will sich der zweifache Familienvater Tilo Pfeifer ne- ben den Hobbys Segeln und Rad fahren weiter den Büchern widmen - wenn auch weniger den Fachbüchern. Ein bisschen mehr Belletristik soll es sein. Bücher von Uwe Timm beispielsweise. Oder von Sándor Márai. Typisch Professor Pfeifer: Immer der Qualität verpflichtet.