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Aachen: Ein makellos schöner Ausklang der Konzertsaison

Aachen : Ein makellos schöner Ausklang der Konzertsaison

Mit einer agilen, rhythmisch pointierten und klanglich entschlackten Darstellung von Beethovens 7. Symphonie schlossen das Aachener Sinfonieorchester und sein Chefdirigent Marcus R. Bosch ihre äußerst erfolgreiche Konzert-Serie dieser Saison ab.

Eine Interpretation, die sich bewusst „antiromantisch” präsentiert und Beethovens Siebte in die Nähe seiner „Revolutions”-Symphonien rückt.

Auch Wagners nicht unumstrittene Würdigung des Werks als „Apotheose des Tanzes” findet Widerhall. Am eigenwilligsten im Trio des Scherzos, das hier nicht wie eine Impulsbremse wirkt, sondern in dem die vorwärtsdrängende Energie des Hauptteils nur leicht zurückgenommen wird, ohne den tänzerischen Charakter aufzugeben.

Das durchsichtige Klangbild und die federnde Rhythmik erfordern eine minutiös ausgefeilte Phrasierung und eine saubere Tonbildung bis ins kleinste Detail. Und an einer solch rundum gelungenen und überzeugenden Beethoven-Interpretation zeigt sich, wie effektiv, präzise und reflektiert Bosch mit dem Orchester arbeitet.

Ganz andere Töne bestimmten den ersten Teil des Abends im gut gefüllten Eurogress. Da stellte sich zunächst Konzertmeister Marijn Simons als Komponist seiner 3. Symphonie op. 36 vor. Ein klangfreudiger, farbiger Einsätzer mit einer funkelnden Oberflächenpolitur und dankbaren Aufgaben für die tüchtigen Bläsersolisten.

Gekonnt arrangiert

Der 26-jährige Geiger und Komponist versteht es schon, ein Orchester effektvoll zum Klingen zu bringen. Allerdings sucht man, wie schon in seinem vor fünf Jahren an gleicher Stelle uraufgeführten Werk „A Ti Te Toca”, hinter der äußeren Brillanz vergebens nach tiefergehenden Substanzen.

Simons´ Orientierung an der „Klangwelt von Schostakowitsch und Mahler” erschöpft sich in ein paar burlesken Einschüben. Ansonsten weht über der tonal gefärbten Musik ein Hauch gekonnt arrangierter Filmmusik. Das ist ja auch schon etwas.

Danach stand mit der Lettin Baiba Skride eins der derzeit zahlreichen geigenden „Fräuleinwunder” im Rampenlicht. Es gibt derzeit wohl niemand aus der musikalischen „Champions League”, der Sibelius´ eher herb-schroffes Violinkonzert so makellos schön und süß streich(el)t wie die 27-jährige Lettin.

An Klangkultur nimmt Baiba Skride einen absoluten Spitzenplatz ein. Auch wenn Härten vermieden werden, fehlt es ihrem Spiel doch nicht an rhythmischer Spannkraft, so dass auch der Schlusssatz zu einem schwung- und effektvollen Ende finden kann.

Umso moderater schlägt sie das Eingangs-Allegro an, gefolgt von Marcus R. Bosch, der sich mit einem weichen Orchesterklang der elegischen Interpretation der Solistin anpasst. Das alles klingt wunderschön, wenn auch etwas zahm. Begeisterter Beifall für alle Beteiligten. Das Konzert wird am Samstagabend um 20.05 Uhr in WDR 3 ausgestrahlt.