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Welkenraedt: Ein idealer Startplatz für Bahnfahrten

Welkenraedt : Ein idealer Startplatz für Bahnfahrten

„Welkenraedt gehört zur Wallonie. Wir unterhalten beste Beziehungen zur Deutschsprachigen Gemeinschaft aber wir gehören nicht dazu!” Das betont Marie-Rose Epple gleich zu Beginn des Gesprächs.

Die erste Beigeordnete des Bürgermeisters legt Wert auf diese Abgrenzung, was wie so oft in Belgien nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit regionaler Identität und administrativen Bündnissen zu tun hat.

Herz für die Jüngsten

Das ist aber auch das einzige Thema, bei dem die sehr freundliche Dame energisch wird. Bereitwillig gibt sie Auskunft über ihren Heimatort, in dem sie für das Schul- und Unterrichtswesen, das Wohnungswesen und soziale Belange zuständig ist. Übrigens in hervorragendem Deutsch, schließlich hat sie viele Jahre in Kelmis, das zur Deutschsprachigen Gemeinschaft gehört, im Kindergarten gearbeitet.

Auch in ihrer neuen Funktion liegen ihr die Jüngsten besonders am Herzen. Wie in Belgien üblich, besuchen die Kinder ab zweieinhalb Jahren den Kindergarten. Der dauert ebenso wie die Schule bis 15.30 Uhr. Damit berufstätige Eltern der Primarschüler (bis sechste Klasse) anschließend und an dem freien Mittwoch Nachmittag keine Probleme bekommen, sorgt die Gemeinde für eine zusätzliche Betreuung bis 18 Uhr im Kulturzentrum. Hier können die Kinder unter Aufsicht ihre Hausaufgaben erledigen oder bei Kreativkursen mitmachen.

9000 Einwohner

Die Eltern nehmen das Angebot nach Bedarf wahr und zahlen für den Service nach der Schule 1,50 Euro. Ein betreuter Ferientag kostet drei Euro, allein Erziehende zahlen weniger. Da verlieren sogar zwei Monate Ferien für berufstätige Eltern ihren Schrecken. Doch Marie-Rose Epple reicht das Betreuungsangebot für die Kinder unter zweieinhalb Jahren noch nicht aus, aber sie begrüßt, dass die Verantwortlichen auf nationaler Ebene in dieser Beziehung „langsam aufwachen”...

Damit Eltern berufstätig sein können, brauchen sie Arbeitsplätze. Auch hier sieht sich die 9000 Einwohner zählende Gemeinde, zu der seit 1977 auch das verstreute Henri-Chapelle gehört, gut aufgestellt: Das vorhandene Industriegebiet ist gut belegt mit kleinen und mittleren Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und einigen Logistikfirmen. Die Ansiedlungswünsche weiterer Betriebe sollen bald mit der neuen „zone industrielle” im Grenzgebiet zu Welkenraedt, Baelen und Lontzen befriedigt werden.

Aktion „Ein Tag ans Meer”

Nach Abschaffung der Kontrollen verlor Welkenraedt weitgehend seine wirtschaftliche Bedeutung als Grenzbahnhof, Arbeitsplätze beim Zoll und der Gendamerie wurden abgebaut. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke für den „Thalys” führt parallel zur Autobahn lediglich einige hundert Meter über das Gemeindegebiet. Wer in die Schnellzüge steigen will, muss nach Aachen oder Lüttich fahren.

Dennoch ist der Bahnhof für Reiselustige ein interessanter Startpunkt: Im Juli und August bietet die Aktion „Ein Tag ans Meer” für 17 Euro die Möglichkeit, nach Ostende und zurück zu fahren. Kinder, Jugendliche und Rentner sind noch günstiger unterwegs. Ein- und Umsteiger sollten nicht verpassen, sich das neu gestaltete Zentrum anzusehen. Nicht nur der Bahnhof, die Post und die Polizei haben neue Gebäude, auch die „Place des Combattants” präsentiert sich frisch gepflastert. Das Tourismusbüro informiert gleich nebenan über Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen. Welkenraedt ist reich an Vereinen, da ist immer etwas los, egal ob Karneval gefeiert, Märkte abgehalten oder für einen guten Zweck 24 Stunden lang Muscheln gegessen werden.