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Aachen: Ein faszinierender Reigen der modernen Tanzstile

Aachen : Ein faszinierender Reigen der modernen Tanzstile

Mit den ersten Schritten des Mondtänzers begann es, das 9. Schrittmacher-Festival mit Tanz und Tanzartigem im Aachener Ludwig Forum.

Die Compagnie Hallet Eghayan ließ mit der Deutschlandpremiere des Stücks „Le danseur de la lune” dabei die gesamte Geschichte und Stilsprache des modernen Tanzes Revue passieren.

Langsam scharren die Füße über den tiefschwarzen Boden der stockfinsteren Mulde, die ersten Bewegungen beginnen, werden sichtbar und steigern sich. Der Mondtänzer, verkörpert von Compagnie-Leiter und Choreograf Michel Hallet Eghayan, wirkt wie ein Vogel, ein Mondvogel, der seine ersten Schritte wagt, noch ungeschickt, furchtsam, und der letztlich hoch zu den Sternen fliegt, die auf der schwarzen Rückwand der Bühne dezent aufleuchten. Dieser erste Szene leitet einen faszinierenden Reigen ein.

Mit dem Tanz à la Doris Humphrey, klassischem Tanz an der Ballettstange, über Martha Graham, fliegenden Walzerschritten bis hin zur bewegten Meditation spielen die vier Tänzerinnen und zwei Tänzer der Compagnie mit den vielfältigsten Ausdrucksmöglichkeiten des Tanzes - leicht, beschwingt und voller Präzision. Mit Licht- und Farbspiel gelingt es dabei, die Übergänge zwischen den einzelnen Kategorien fließend zu gestalten, die letztlich in einem ausführlichen Finale enden, eingeleitet mit dem zweiten Auftritt des Mondtänzers.

Gerade noch hatte ein überdimensionierter Bilderrahmen das Publikum zum Schauobjekt gemacht, wird er zum Käfig für den Tänzer, der sich Schritt für Schritt befreit und nun durch das satte Rot der Mohn-Wiese im Hintergrund zu schweben scheint. In dieses Bild hinein erscheinen verliebte Frauen, die mit ihren Kimonomantel-Schmetterlingsflügel locken, verführen, abwehren und in wechselnden Pas de Deuxs die Männer immer wieder einbeziehen und ausgrenzen.

Das begeisterte Publikum ließ minutenlang die Compagnie nicht von der Bühne. Programm-Direktor Rick Takvorian wirkte erleichtert. „Wir wissen, dass es in Aachen mittlerweile ein sehr intelligentes, versiertes Publikum gibt und über die tolle Resonanz freuen wir uns - bleiben Sie uns treu.” Am kommenden Samstag, 20 Uhr, geht es mit der Uraufführung „Sandbox” des russischen Do-Theaters weiter.