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Köln: Ein Buch vom Erwachsenwerden

Köln : Ein Buch vom Erwachsenwerden

Ungewöhnlich ist dieses Erstlingswerk von Werner Köhler in vielerlei Hinsicht, das Ungewöhnlichste: Dass schon allerlei positive Stimmen zum Buch erschienen, bevor es selbst erschien.

Da hatte der Verlag Kiepenheuer & Witsch mächtig die Trommel gerührt. Und die neue Literatur-Päpstin Elke Heidenreich urteilte über „Cookys”: „Ein Buch, dessen Lektüre satt und glücklich macht.”

Zwei Stichwörter, die in die Geschichte von Cooky führen. Er ist ein Fossil der Rock n Roll-Ära, bekennder Anti-Mainstream-Mann, der das Häßliche dem Schönen, das Reduzierte dem Versnobten, das Schwache dem Starken vorzieht.

Cooky hat zwei Leidenschaften, die eine gilt dem Kochen - Cooky ist Inhaber und Koch eines Aachener Edellokals. Die andere gilt dem Leben, dessen Sinnsuche erwiesenermaßen der Generation nach 1968 große Turbulenzen bescherte.

Auch Cooky und seine Freunde, seine Familie und seine Frauen, durchleben eine heftige Zeit - die Zeit des Erwachsenwerdens.

Werner Köhler (48) hat mit teils autobiografischen Zügen Cookys Geschichte in zwei chronologische Schichten gebettet; in die Gegenwart, in der die Beerdigung eines geliebten Freundes ansteht. Und in die Vergangenheit, in der reichlich Anlass ist, Lebensabschnitte zu zeigen und die Verwirrung der Gefühle schonungslos zu reflektieren.

Sex spielt eine große Rolle wie auch Drogen und Freundschaft, das Kochen schließlich und der erste Verlust. Köhler lässt seine Figuren Dinge aussprechen, die nicht alle Tage zu lesen sind. Seine Sprache: schnörkellos, frech, auf den Punkt gebracht.

Die Aachen-Bezüge sind nicht alle authentisch, aber amüsant auf jeden Fall. Der Autor verwickelt den Leser sogartig in die Welt von Cooky, dass er beinahe süchtig den Roman verschlingt und in eine Welt eintaucht, die heute schon wieder Geschichte ist.

So ist Werner Köhler die lebendige Dokumentation einer Ära gelungen, deren Helden gerne belächelt, selten verstanden, nie geliebt wurden.

Und doch steckt in einer ganzen Generation von heute noch das Erbe wie etwa der Traum von Love & Peace, von Gewaltfreiheit und multikulturellem Weltverständnis. „Cookys” ist ein Buch für Menschen, die sich für die Zeit interessieren, in der Jimi Hendrix ein Held und „Hotel California” ein Hit war.