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Aachen: Ein Blick auf die Euregionale ohne rosarote Brille

Aachen : Ein Blick auf die Euregionale ohne rosarote Brille

Das Präsentationsjahr der Euregionale 2008 ist halb um. Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen. Auch für Henk Vos. Der Geschäftsführer der Euregionale 2008 Agentur GmbH bereitet gerade seinen Bericht an die Gesellschafter vor. Klar ist: Vos hat beim Blick zurück keine rosarote Brille auf.

„Es wird klar, wo es gut geht und wo es hakt.” Regionale-Projekte würden gefördert, um Profile zu stärken und Menschen aus der Region mitzunehmen. „Das haben wir nicht in allen Bereichen gleich gut geschafft”, sagt der 56-Jährige.

Er sei 2005 geholt worden, um Projekte umzusetzen. Mit dem Ergebnis sei er hochzufrieden. Doch im Planungsprozess, vorher also, sei es nicht so gut gelungen, die Menschen mitzunehmen. „Das ist der Strickfehler.” Und den könne man nicht komplett reparieren. Aber die Euregionale-Agentur hätte daran gearbeitet, den „sehr kopflastigen Zustand” zu verändern. Die Infopunkte „Euregionale vor Ort” seien dafür ein erstes wichtiges Werkzeug gewesen. Und nun eben die Präsentationsveranstaltungen begleitet von viel Öffentlichkeitsarbeit.

Vos ist positiv gestimmt, das Präsentationsprogramm laufe gut. In den ersten beiden Monaten Mai und Juni hätten die Veranstaltungen - ohne Grönemeyer-Konzert - 35.000 Menschen besucht. „Die haben alle ein bisschen von der Euregionale mitbekommen”, sagt Vos.

Die Masse der Bürger werde jetzt durch die Veranstaltungen aufmerksam. Nach der Auftaktveranstaltung auf dem Katschhof hätten sich die Klickzahlen auf ihrer Internetseite vervierfacht.

Präsenz in den Köpfen

Die Präsenz der Euregionale in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger möchte Vos aber nicht generell bewerten. „Es war nicht unser Ziel, dass jeder Bürger die Euregionale kennt. Wir wollten die erreichen, die an Regionalentwicklung interessiert sind. Das haben wir geschafft.”

Es sei eben ein sehr breit angelegter Prozess: „Sind die tollen Brücken im Wurmtal fertig, werden die Menschen kommen und die Euregionale erleben. Und die Route Charlemagne in Aachen wird etwas bewegen, wenn man sie erleben kann.” Bei diesem zweiten Aachener Projekt nach dem gescheiterten „Bauhaus Europa” seien die Bürger zudem eng eingebunden gewesen.

Die Euregionale funktioniere dort, „wo wir etwas gemacht haben, etwas vorweisen können”, sagt Vos. „In Baesweiler ist sie ein Thema.” Dort steht das einzige fertige Euregionale-Bauprojekt: der Carl-Alexander-Park.

Doch wenn der Indemann im nächsten Jahr auf der Goltsteinkuppe thront, wird die Euregionale 2008 längst Vergangenheit sein. Zudem wird er kleiner, als eigentlich geplant, wegen explodierender Stahlpreise. „Aber er bleibt eine Landmarke für den regionalen Wandel.”

Gut geht es in den Augen Vos´ bei dem Ziel der stärkeren Kooperation zwischen Kommunen voran, auch grenzüberschreitend. Beispiel? Die Ravel-Route von Aachen bis Luxemburg, die durch die geringe Steigung den Markt des Fahrradtourismus´ für die Eifel erschließen kann. „Ohne die grenzüberschreitenden Erfahrungen der Beteiligten innerhalb der Euregionale wäre dieses gemeinsame Projekt vieler Einzelkommunen nicht möglich”, glaubt Vos.

Überhaupt, die Eifel. Dort sei durch die Zusammenarbeit das übliche Gießkannenprinzip von Fördergeldern gesprengt worden. 80 Prozent der dort bewilligten Mittel landeten auf Vogelsang. Ein Leuchtturm, der die Augen von Vos zum Strahlen bringt. Diese Woche wird er die Entwürfe der unzähligen Architekten sehen, die sich am Wettbewerb um das Forum Vogelsang beteiligen, den die Euregionale bezahlt.

Der Euregionale-Geschäftsführer sitzt in der Jury - und auf die Auseinandersetzung mit den Entwürfen freut er sich sichtlich. „Und ich kämpfe dafür, dass die zweite Runde ein öffentlicher Prozess wird, wenn die Jury zwischen nur noch sieben Entwürfen entscheiden muss.”