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Köln: Ein bisschen Zuckerguss fürs Herz...

Köln : Ein bisschen Zuckerguss fürs Herz...

„You can dance, you can jive, having the time of my life - uu-hu-huu...” - das sind unvergessene Textzeilen einer der erfolgreichsten Pop-Bands der 70er Jahre und 80er Jahre.

Beim Musical „Mamma Mia!” kommen Fans von Agnetha, Annafrid, Björn und Benny voll auf ihre Kosten. Jetzt hatte die englischsprachige Theaterproduktion in der Kölnarena Premiere. 3000 Zuschauer erlebten ein ausgelassenes Ensemble mit grandiosen Hauptdarstellern - am Ende der Zwei-Stunden Show (mit Pause und deutschen Untertiteln) gab es Standing Ovations und jede Menge Zugaben.

Die größten Hits

Was weltweit, seit der Londoner Premiere 1999, bereits fast 20 Millionen Menschen gesehen haben, lebt vor allem von den größten Hits der Popgruppe ABBA. Von Martin Koch neu arrangiert, live solide gesungen und von neun Musikern gespielt, kommentieren ABBA-Klassiker wie „I have a dream”, „Honey, honey” oder „The winner takes it all”, mit ganz leichten textlichen Abänderungen, scheinbar die Handlung.

Die geht zurück ins Jahr 1979: Damals waren „Donna & The Dynamites” die heißesten Feger, die man sich auf einer Bühne vorstellen kann. Nicht umsonst erinnert ihr Konzertplakat an „Drei Engel für Charlie”. Wenn Frontfrau Donna (Helen Hobson) und ihre Schwestern Rosie (Joanna Monro) und Tanya (Geraldine Fitzgerald) ins Rampenlicht traten, schmolzen die Männerherzen wie Wachs in der Sonne.

20 Jahre später schreibt man das Jahr 1999: Donna führt eine Taverne auf einer griechischen Insel, hat Tochter Sophie (Emily Dykes) allein großgezogen und den Glitzer-Body gegen einen Blaumann eingetauscht. Rosie ist ordentlich in die Breite gegangen, und Tanya hält intern den Rekord im Verschleiß von Ehemännern. Zur Hochzeit von Sophie, die, im Gegensatz zum wilden Trio von damals, sehr konservative Ansichten hat, treffen die Schwestern wieder zusammen.

Was sie nicht ahnen: Sophie hat Bill (Ulrich Wiggers), Harry (Dale Rapley) und Sam (Cameron Blakely) eingeladen - denn einer von ihnen muss ihr Vater sein. Zugegeben, die Konstruktion „Drei Männer und ein Baby” ist nicht gerade neu - aber das Musical „Mamma Mia!”, das Autorin Catherine Johnson und Regisseurin Phyllida Lloyd aus diesem Plot gearbeitet haben, ist schlichtweg großartig.

Die turbulente Story um Sophie und ihre Väter kommt mit einem raffiniert-schlichten Bühnenbild aus, stimmungsvolle Lichteffekte versehen die ausgefeilte Choreografie von Anthony Van Laast mit Glanzpunkten. Wie Tanya zu „Does your mother know” knackige Beach Boys anbaggert, bei „Lay all your love on me” ein Taucher-Trupp mit Schwimmflossen Sirtaki tanzt oder Donna und ihre Schwestern in weiß-silbernen ABBA-Kostümen die alten Zeiten wieder aufleben lassen, ist hinreißend komisch.

Zum Schluss kann (und darf man) so richtig gerührt sein, mitunter braucht das Herz eben ein bisschen Zuckerguss.

Vorstellungen noch bis 11. September, Mi. , Do., und Fr. 20 Uhr, Sa. 15 und 20 Uhr, So, 15 und 19. 30 Uhr.