1. Kultur

Aachen: Ein bisschen neben der Springgrube

Aachen : Ein bisschen neben der Springgrube

Gefeiert wird die RWTH Aachen bekanntlich öfter. Doch einmal im Jahr feiert sie sich richtig selbst. „RWTH transparent” heißt die Veranstaltung, die seit einigen Jahren stets am letzten Freitagabend im Januar die Aula des Hauptgebäudes mit reichlich geladenen Gästen füllt.

Viele Wissenschaftler und sonstwie Beschäftigte der Hochschule natürlich, Politiker, Vertreter von Wirtschaft und Gesellschaft, und sogar ein paar Studenten. Ihnen allen trägt der Rektor seinen Rechenschaftsbericht in munteren Worten und schönen Bildern vor. Irgendwann hatte man nämlich auch an der RWTH gemerkt, dass kein Mensch freiwillig Rechenschaftsberichte liest.

Diese Power-Point-Revue hat jedesmal ein Motto. „Der Wettkampf” hieß es diesmal, was ja die Metapher unserer Zeit ist. Alles ist heute im Wettbewerb. Die Hochschulen fangen gerade erst richtig an damit. Um Geld kämpfen sie, um Lehrende, Studierende, Ausrüstung, Gebäude, Anerkennung, um Exzellenz.

Burkhard Rauhut, der Rektor, führte an Hand solcher Kategorien die Leistungen der RWTH im vergangenen Jahr vor. Nach 165 Stationen in 80 Minuten durften die Zuhörer das Gefühl einer gewissen Vollständigkeit entwickeln, die von der Erstsemesterbegrüßung bis zur Konzentrationskurve der Drittmittel reichte und auch den „Joint Master Angewandte Geophysik” nicht ausließ.

Rektor Rauhut galoppierte in gewohnter sprachlicher Bravour über diesen ausgedehnten Parcours, ließ keine Hürde fallen, doch ein paar schöne Sätze wie diesen: „Um Professorinnen zu erzeugen, haben wir spezielle Programme.” Nachhaltig beeindruckt scheint ihn auch die Akustik der Kinderuni beeindruckt zu haben, die just eine Woche zuvor in Partnerschaft mit unserer Zeitung gestartet war: „Sie können sich den Krach von 1300 Acht- bis Zwölfjährigen im Audimax nicht vorstellen.” Bei den Experimenten sei es aber „mucksmäuschenstill” gewesen. Wir berichteten.

Nach einem weiten Satz über den Ochser diverser Ehrungen für RWTH-Professoren in der Welt, darunter ein Goldenes Ehrenzeichen des Bundeslandes Niederösterreich, gelang Rauhut sogar die selbstironische Bemerkung, dass man in der höchsten Stufe des Exzellenzwettbewerbs „ein bisschen neben der Springgrube gelandet sei”.

Christa Thoben, die Wirtschaftsministerin des Landes, hatte zuvor in ihrem Grußwort das erwartete große Lob für die nordrhein-westfälische Vorzeigeuniversität gesprochen. Ausgezeichnet wurden sodann Christelle Mboo Piantsop, eine Studentin der Elektrotechnik aus Kamerun, mit dem DAAD-Preis für ihre besonderen akademischen Leistungen und ihren ehrenamtlichen Einsatz für Mitstudierende.

Den von Studenten initiierten Lehrpreis der bekamen Prof. Jörg Feldhusen und sein Team im Institut für Allgemeine Konstruktionstechnik des Maschinenbaus. Feldhusen organisiert, unter anderem, den öffentlichen Prüfungsquiz für Erstsemester „Wer wird Ingenieur” nach dem Vorbild der bekannten Fernsehsendung. „Alle Institute der RWTH machen hervorragende Lehre”, lenkte er bescheiden ab. Da widersprach der Rektor denn doch sanft, aber deutlich genug: „Da haben wir noch Defizite.”