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Bonn: Eigenbrötler im Holzfällerhemd

Bonn : Eigenbrötler im Holzfällerhemd

Es ist gut und wichtig, das John Fogerty wieder unterwegs ist, allein schon der Fakten wegen: Nicht, dass nachher noch jemand glaubt, der Partyknaller „Rockin´ all over the World” stamme von Status Quo, oder die Swamp-Rock-Hymne „Proud Mary” sei gar eine Schöpfung von Tina Turner.

Diese und Dutzende anderer Hits stammen aus der Feder Fogertys, dem Großmeister des Drei-Minuten-Songs. Seit 2005 hat der frühere Kopf der amerikanischen Band Creedence Clearwater Revival das lange Leiden seiner Fans beendet, nach einer 20-jähriger Auszeit den Spaß an der Bühne wiedergefunden und den Dauerstreit um Musikrechte mit seiner früheren Plattenfirma beendet.

Den 63-jährigen Eigenbrötler erlebten jetzt und 4000 Fans beim einzigen NRW-Konzert der Revival-Tour auf der Museumsmeile in Bonn. Bestens gelaunt und überraschend redselig schreitet Fogerty ohne Unterlass die Bühne ab, das mit dem Meister gealterte Publikum würde wohl gern seinen Fitness-Trainer kennenlernen.

Er trägt wieder das blau-karierte Holzfällerhemd; die Eingeweihten wissen, was dies bedeute: Der Erfinder des Swamp-Rock ist wieder etwas country-lastiger geworden, ein talentierter Fiddler an Seite unterstreicht es.

„Revival” heißt auch die im Herbst erschienene CD - ein authentisches Album, das den Kalifornier, den es immer in die Sümpfe am Mississippi zog, zeigt, wie er ist: als „broken down Cowboy”, Country-Rocker, Romantiker und ätzenden Kritiker des amerikanischen Präsidenten („I can take it no more”).

Fogerty ist ziemlich berechenbar mit seiner Musik und bei seinen Auftritten - da überlässt der Herr über ein Dutzend ständig wechselnde Gitarren nichts dem Zufall, auch nicht bei den Zugaben. Immer gibt es zwei Stück davon - da können Fans noch so verrückt spielen.

Fogerty-Konzerte sind wie eine Hitsammlung, und man darf daran erinnern, dass CCR im Jahr 1970 nicht weniger als fünf Titel zeitgleich unter den Top 20 der US-Charts platzierte - eine Quote, die weder Elvis, noch die Stones noch die Beatles je erreichten.

28 knackige Titel in 1:53 Stunden sind Fogertys Pensum, das Publikum in Bonn ist hingerissen. Die erdige Stimme ist frisch wie einst; die Jahre sind verflogen. Dieser John Cameron Fogerty verdient eine tiefe Verneigung - so verdammt gut und doch nie der Größte.